Ein Ausflug ins Oderbruch - 30.08.2021

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Ein Ausflug ins Oderbruch
erlebt und aufgeschrieben von einem Berliner


Ein Berliner unternimmt einen Ausflug in das Oderbruch ...

Einer Einladung folgend, fuhr ich wieder einmal in das Oderbruch. Auf den Äckern wurde das Korn geerntet. Braune Staubwolken waren zu sehen, wo die Mähdrescher, auch am Sonntag, über die Felder fuhren. Über einem Stoppelacker kreisten 5 Milane. Es war offensichtlich ein Paar mit ihren Jungen, die nach Mäusen jagten. Weiter weg standen 10 Störche, die das gleiche taten. Mäuse soll es in diesem Jahr sehr viel geben. Man fürchtet, dass die sich dann im Winter in die Gebäude zurückziehen und zur Plage werden und Schaden anrichten. An sich sind die Aussichten auf eine gute Ernte, auch in diesem Jahr, wieder ganz gut. Der Grundwasserspiegel ist zwar merklich gesunken. Man hat aber die Fließe und Kanäle angestaut. Das Hauptaugenmerk liegt hier nach wie vor auf der Landwirtschaft. Fast alle Bewohner der ehemaligen, weit verstreut liegenden Bauernhöfe, beackern kleine Ackerflächen und Gärten halten Kleinvieh. Das erbringt einen kleinen Nebenerwerb, mit dem man die kargen Renten aufbessert. Auffällig ist, dass auch die bisher verlassenen und verwahrlosten Häuser und Gehöfte wieder Besitzer finden. Es wird überall gebaut und ausgebessert. Wegen der steigenden Mieten in den Städten sichern sich einige ihren Alterssitz. Aber auch der Grunderwerb ist gegenwärtig die sicherste Geldanlage.

Die Corona-Euphorie hat nichts wesentlich geändert. Die Restriktionen werden als lästig empfunden. Ansonsten hält man sich vorsichthalber an die Vorgaben und Regeln. Aber es gibt auch Vorteilhaftes. Die kleinen Übernachtungsangebote und Pensionen sind ausgebucht Auch die Restaurants und Cafe´s sind vorwiegend an den Wochenenden und Ferien gut besucht. Auf den Oderteichen sind Radwanderer unterwegs. An den bevorzugten Plätzen haben Angler ihre Wohnwagen oder Zelte aufgeschlagen. Es gibt viel Raum, so dass sich niemand zu nahe kommt.

Neben bekannten und gut besuchten kulturellen Angeboten, wie das „Theater am Rande“, leben auch in den Dörfern neue Initiativen auf. So steht schon seit Generationen in Buschdorf die ehemals gemeinschaftlich genutzter Backscheune. Von Mai bis Oktober wird jeden Mittwoch dort gebacken. Es gibt frisches Brot, Brötchen, Backwerk, Kuchen u.a. Am Nachmittag bekommt man kaum einen Parkplatz. Alle fahren hin, um frisch gebackenes zu kau-fen. Inzwischen haben auch ein Fischer, ein Imbissstand, Gebrauchtwarenhändler u.a. ihren Weg dorthin gefunden. Es hat sich ein richtiger kleiner Markt entwickelt, der zum Magneten geworden und sehr beliebt ist. Man trifft Nachbarn, erfährt Neues und bekommt allerlei geboten. Das kann jemand aus der Großstadt kaum nachvollziehen. Natürlich hat auch Corona seine dezimierende Auswirkung darauf. Aber unterbrochen wurde das Brotbacken mit allem Drum und Dran deshalb nicht.

Es gibt dort auch noch einige andere Attraktionen. Unweit des Backofens steht die alte Schule. Als es im Oderbruch noch viele kleine Bauern und Landwirts gab, wurden zu unterschiedlichen Zwecken sehr unterschiedliche Körbe, Kiepen und Behälter benötigt. Die wurden von ansässigen Korbmachern aus Weidenzweigen geflochten. Es gab fast in jedem Dorf einen. Nach und nach kamen neue belastbare Rohstoffe auf. Der Transport wurde mechanisiert und Körbe waren nicht mehr gefragt. Das Handwerk ging nach und nach ein. Die letzte Korbmacherin fertigte vor allem Kunstgewerbliche Körbchen und Figuren. Doch sie sammelte auch die alten, nunmehr antiken Werkzeuge und Geräte aus aller Welt ein. Sie trug sie in der alten Schule zusammen. So entstand dort ein einzigartiges und interessantes Museum des Korbmacherhandwerks mit über 2.000 Exponaten.

Daneben wurde die Bushaltestelle in eine „Buchhaltestelle“ umgestaltet. Innen wurden rundherum Regale angebracht. Die Fenster als Auslagen gestaltet. Auf und unter den Bänken stehen Kisten und Behälter. Auf und in allen befinden sich Bücher. Eine Anschrift fordert: „nimm und bring“.
Da stehen auch Behalten mit selbst Gehäkelten Kuschelfiguren, Tüchern, Spielzeug, Hand-schuhen und Kappen. Solche Initiativen sind auch aus anderen Orten bekannt, wo Telefonzellen und Wartehallen zweckentfremdet, mit Büchern bestückt, weiter genutzt werden. Im Ort gibt es außerdem eine geräumige Trödelscheune, die vor allem an den Wochenenden von Ausflüglern angefahren wird.

In der Gemeinde Zechin, zu der Buschdorf gehört, gibt es einen sehr aktiven Kegelverein, den Angler-Verein, die „Sunflower“, eine attraktive „Linedanc“-Gruppe, eine einsatzbereite Feuerwehr und viele Oldtimer-Freunde. Einige spielen auch bei den „Oderbruch Musikanten“. Gefeiert werden das Pfingstfest, die Miss-Mol-Wahl, das Erntefest, das Backofenfest und andere Anlässe.

Im ganzen Oderbruch gibt es viele Sehenswürdigkeiten, Denkmäler, Ausstellungen und kleine Museen. Meist gehen solche Initiativen von einem oder einer Gruppe von Leuten aus, denen das örtliche Zusammenleben am Herzen liegt. So muss es uns um die Kunst und Kultur, auch im „Kleinen“, nicht bange sein.

(... erlebt und aufgeschrieben vom Hobby-Schreiber Rudi Herz aus Berlin, 2020)

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