Gedenken an Opfer der Pogrome - 10.11.2022 | Fotogalerie
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Gedenken an Opfer der Pogrome
Ausgesprochen gute Resonanz hat die diesjährige Gedenkveranstaltung der Stadt für Opfer der Nazi-Novemberpogrome gegen jüdische Mitbürger 1938 gefunden. Mehr als 60 Bürger, darunter auch viele jüngere, wollten am jüdischen Friedhof nahe der Fähre die Erinnerung an die damaligen Geschehnisse wach halten, damit sie sich nie wiederholen. Bürgermeisterin Elke Stadeler würdigte die Mitwirkung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) Märkisch-Oderland, die „neue Impulse“ gesetzt habe, um die Tradition fortzuführen. „Noch vor ein paar Jahren waren gefühlt alle über 50“, erinnerte sie sich. Anderswo in der Region seien ihr keine vergleichbaren Aktionen bekannt.

Kira Güttinger und Sophie Preibisch von der VVN-BdA stellten in ihrem Redebeitrag Opfer im ehemaligen Ghetto Theresienstadt in den Mittelpunkt. Das heutige Terezin ist Strausbergs Partnerstadt. 141.000 Menschen seien dorthin deportiert worden, nur 23.000 hätten
überlebt, berichteten sie. Ein Opfer war der Strausberger Kaufmann Albert Levy. Levy betrieb in der Großen Straße 73 ein kleines Textilgeschäft. Er musste dies verkaufen, wurde 1942 nach Theresienstadt gebracht und noch im gleichen Jahr in Treblinka ermordet. Ein Stolperstein nahe der Grünstraße erinnert an ihn.

Eine der wenigen, die Theresienstadt überlebte, war die Strausbergerin Martha Ledwoch. Sie war durch ihren arischen Ehemann, einen Gaststättenbetreiber, lange verschont. Im Oktober 1943 wurde auch sie deportiert. Nach der Befreiung kehrte sie nach Strausberg zurück –
nach Recherchen der Rednerinnen als einzige von 60 Strausberger Jüdinnen und Juden.

Theresienstadt und die Region um Strausberg sind aber noch auf andere Weise verbunden. Im Frühjahr 1944 verschleppte die SS 300 jüdische Männer und Frauen aus dem Ghetto in
ein Außenlager in den Wäldern zwischen Wulkow und Neuhardenberg. Sie mussten ein Ausweichquartier für die Berliner Gestapo-Zentrale errichten. Die VVN-BdA MOL arbeitet derzeit die Geschichte des Lagers auf, das es bis Februar 1945 gab. Sie setzt sich für einen Gedenkort in Wulkow ein und arbeitet an einer Gedenkhomepage.

Im September war eine Gruppe in Terezin, besichtigte das ehemalige Ghetto sowie das frühere Polizeigefängnis, in dem mehrere Wulkower Häftlinge ermordet wurden. Und sie traf eine Überlebende. Antifaschismus ist und bleibe angesichts erstarkender rechtsextremer Tendenzen wie in der AfD notwendig, so ihr Fazit - gegen Vergessen, Verzerren und falsche historische Vergleiche. Sie kündigten an, dass am 19. Februar 2023 in der Großen Straße 61 ein weiterer Stolperstein verlegt werden soll: für Moisy Fingergut. Gemeinsam mit dem Humanistischen Regionalverband MOL würden derzeit jüdische Biographien in Strausberg
erforscht.

Pfarrer Tillmann Kuhn erinnerte daran, dass der Ort der Veranstaltung kein Gedenkort sei, sondern ein Friedhof. Der sei nach jüdischen Gepflogenheiten „ein guter Ort“. Zudem begrüßten sie sich mit „Shalom“ – übersetzt Frieden. Sein Versuch, die jüdische Sichtweise
mit dem Lied „Wir wünschen Frieden euch allen“ auf die Gäste überspringen zu lassen, zündete indes nicht recht. Der 9. November erinnert an die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938. Dabei ermordeten SA-Angehörige und sonstige Nazis im ganzen Reichsgebiet mehrere hundert Juden. Um die 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume jüdischer Menschen sowie Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe wurden zerstört. Es folgten Deportationen jüdischer Menschen in Konzentrationslager. Rund sechs Millionen starben an
den Folgen der Haftbedingungen oder wurden ermordet.

Wann: 10.11.2022

Stadtverwaltung Strausberg, Hegermühlenstraße 58,
Strausberg

Veranstalter: Stadt Strausberg

Hegermühlenstraße 58, 15344 Strausberg

Tel.: 03341 / 38 11 00



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