Knut-Sören Steinkopf (Die Linke) - 17.01.2026

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Knut-Sören Steinkopf (Die Linke)
Fragen und Antworten

Bild:© Andreas Prinz


1. Welches ist Ihr Lieblingsplatz in Strausberg?
Gut gelungen finde ich den Spielplatz an der Fähre. Slche Orte mit Aufenthaltsqualität brauchen wir auch in anderen Stadtteilen. Ich persönlich Laufe viel am Straussee und Bötzsee. Bin ich dort sportlich unterwegs, fühle ich mich wohl.

2. Wenn Sie gewählt werden, welches sind die Maßnahmen, die Sie in den ersten 100 Tagen auf den Weg bringen wollen?
Die berühmten 100 Tage sind natürlich ein willkürlich gewählter Zeitraum. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern die Fähigkeit gemeinsam mit den Fachbereichen zu priorisieren – und genau darum geht es.

Erstens: Wasser sichern – strategisch und gemeinsam.
Die Wasserfrage ist für Strausberg existenziell. In den ersten 100 Tagen will ich eine verbindliche Wasserstrategie auf den Weg bringen: mit klaren Zuständigkeiten, kurzfristigen kommunalen Maßnahmen und einer abgestimmten Linie mit Wasserverband, Kreis und Land. Ziel ist nicht Aktionismus, sondern ein belastbarer Fahrplan für Trinkwasser, Straussee und Klimaanpassung.

Zweitens: Verlässlichkeit im Haushalt schaffen.
Parallel dazu beginne ich mit der Haushaltsplanung für 2027/2028 – mit einem klaren Fokus auf Planungssicherheit. Der Haushalt auf Kreisebene ist angespannt. Jetzt darf das Soziale nicht hinten runter fallen. Vereine, Sport und Kultur brauchen Verlässlichkeit. Haushaltsentscheidungen müssen berechenbar sein und Stadtentwicklungsprioritäten klar abbilden.

Drittens: Stadtentwicklung neu ausrichten.
Strausberg arbeitet noch immer mit einem Stadtentwicklungskonzept von 2017. Das reicht nicht mehr aus. In den ersten 100 Tagen will ich den Prozess zur Überarbeitung anstoßen: mit ehrlicher Bestandsaufnahme, Beteiligung der Stadtgesellschaft und einer Strategie, die Wohnen, Wasser, Klima, Mobilität, Kultur und soziale Infrastruktur zusammen denkt.

Viertens: Kultur sichtbar stärken.
Ich werde einen Runden Tisch Kultur initiieren – mit Vereinen, Initiativen und freien Trägern. Ziel ist ein Konzept für dezentrale Kulturstandorte in den Stadtteilen und zugleich die konkrete Weiterentwicklung der Festsaal-Initiative als identitätsstiftendes Projekt für Strausberg.

Und fünftens – vielleicht am wichtigsten: die Verwaltung stärken.
Eine Stadt funktioniert nur mit einer motivierten, fachlich starken und respektierten Verwaltung. Als Bürgermeister sehe ich meine Aufgabe darin, innerhalb der Verwaltung eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu fördern: klare Ziele, nachvollziehbare $msetzungsschritte und gute Arbeitsbedingungen. Nicht nur der Bürgermeister muss handlungsfähig sein – alle Strausbergerinnen und Strausberger brauchen eine Verwaltung, die gut arbeitet, gehört wird und Gestaltungsspielräume hat.

3. Der Straussee ist das Juwel der Stadt. Der Wasserstand bereitet vielen Strausbergern Sorgen. Welche konkreten Schritte wollen Sie unternehmen?
Wasserknappheit ist in Strausberg keine abstrakte Zukunftsfrage mehr, sondern Realität. Deshalb will ich Wasser- und Klimaschutz fest in Verwaltung, Planung und Haushalt verankern. Ich will eine Stabsstelle Wasser & Klimaanpassung im Rathaus einrichten. Sie wird zentrale Koordinationsstelle zwischen Stadt, Wasserverband, Landkreis und Land. So stellen wir sicher, dass Maßnahmen nicht nebeneinander herlaufen, sondern strategisch aufeinander aufbauen – rechtssicher, fachlich fundiert und langfristig.

Für mich ist klar: Der Schutz des Trinkwassers geht vor zusätzlichen Entnahmen. Strausberg braucht eine nachhaltige Wasserstrategie, die sich an den natürlichen Grenzen orientiert – nicht an kurzfristigen Wachstumsinteressen. Dafür übernimmt die Stadt eine aktive Rolle im Wasserverband und vertritt diese Position konsequent gegenüber Kreis, Land und auch gegenüber Industrieinteressen.

Es gilt Strausberg klimaresilient zu machen und den Wasserkreislauf vor Ort zu schließen. Wir müssen mehr Wasser in der Stadt halten, statt es schnell abzuleiten. Ziel ist eine echte Schwammstadt-Strategie: Entsiegelung öffentlicher Flächen, Regenwasser vor Ort halten und versickern lassen, Zisternen bei Neubauten konsequent einplanen, Anreize zum Trinkwassersparen schaffen – unter anderem durch einen Testlauf für ein kommunales Zisternenförderprogramm. Auch öffentliche Gebäude müssen hier Vorbild sein – ebenso große Liegenschaften vor Ort. Dazu gehört für mich ausdrücklich die zivile Kooperation mit der Bundeswehr in Strausberg, etwa bei Regenwassernutzung, Begrünung und Krisenfestigkeit.

Langfristig müssen wir Abwasser stärker in der Region behandeln und nutzen, statt es dauerhaft abzuleiten. Das schließt eine engere Zusammenarbeit im Wasserverband Strausberg-Erkner ebenso ein wie Bündnisse mit anderen Kommunen, um regionale Wasserkreisläufe zu stärken. Viele Lösungen liegen nicht allein in kommunaler Hand. Deshalb setze ich auf Bündnisse mit anderen Städten und Gemeinden, um gegenüber Land und Bund mehr politischen Druck aufzubauen – für rechtssichere Rahmenbedingungen, Förderprogramme und eine nachhaltige Wasserpolitik.

Der Straussee bleibt nur dann unser Juwel, wenn wir jetzt handeln. Mein Ansatz ist klar: Verantwortung bündeln, Trinkwasser schützen, den Wasserkreislauf vor Ort schließen und Strausberg Schritt für Schritt klimaresilient machen. Wasser gehört allen – und es zu sichern ist eine der zentralen Aufgaben unserer Stadt.

4. In Strausberg müssen einige Straßen instandgesetzt werden, beispielsweise die Berliner Straße. Viele Autofahrer sind von Staus gerade am Morgen und zum Feierabend genervt. Welchen Plan haben Sie für die Verkehrsentwicklung in unserem Ort?
Strausberg steht verkehrlich vor zwei gleichzeitigen Aufgaben: Wir müssen Straßen instand setzen – und wir müssen Staus reduzieren. Straßenbau liegt je nach Straße in der Zuständigkeit von Land, Kreis oder Kommune. Was die Stadt aber sehr wohl leisten kann, ist Koordination. Die Bauprojektplanung in der Verwaltung ist hier deutlich besser geworden – das hat man etwa an der Baustelle an der Stadtmauer gesehen, die zügig lief und Termine eingehalten hat. Genau daran will ich anknüpfen. Mein Anspruch ist, dass bei Straßenbaumaßnahmen frühzeitig und verbindlich zwischen allen beteiligten Behörden abgestimmt
wird, damit Bauzeiten, $mleitungen und Belastungen so gering wie möglich bleiben – gerade auf stark frequentierten Straßen wie der Berliner Straße.

Gleichzeitig müssen wir den Verkehr umfassender denken. Strausberg ist eine Pendlerstadt: Rund 8.000 Menschen pendeln täglich aus, über 6.000 pendeln ein. Wenn wir Staus reduzieren wollen, geht das nicht allein über Asphalt, sondern nur mit verlässlichen Alternativen zum Auto. Die Verkehrsträger müssen so ineinandergreifen, dass Mobilität im Alltag funktioniert: Dort, wo das Auto nötig ist – und dort, wo Bus, Tram oder Bahn die bessere Lösung sind.

Dazu gehört für mich klar: politischer Druck für bessere Takte und mehr Verlässlichkeit bei S-Bahn, RB26 und Straßenbahn, eine stärkere Verzahnung von Bus, Tram und Bahn, damit Anschlüsse tatsächlich erreicht werden – auch abends und am Wochenende, sichere Rad- und Fußwege sowie ausreichend Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Autos, besonders an Haltestellen. Die Straßenbahn spielt dabei eine besondere Rolle. Sie ist mehr als ein Verkehrsmittel – sie ist Teil unserer städtischen Identität und das Rückgrat eines sozialen und klimafreundlichen Nahverkehrs.

Mein Grundverständnis ist: Mobilität ist soziale Infrastruktur. Ein funktionierender Verkehr entscheidet darüber, ob Arbeit, Familie und Klima zusammengehen – und ob der Alltag planbar bleibt. Mein Plan für Strausberg ist deshalb kein Entweder- Oder zwischen Auto und ÖPNV, sondern ein verlässliches Miteinander aller Verkehrsmittel, gut abgestimmt, realistisch geplant und mit Blick auf die Menschen, die jeden Tag unterwegs sind.

5. Wie wollen Sie, dass sich Strausberg entwickelt in den Bereichen Gewerbe, Kultur und Einwohnerzahl?
Strausberg soll sich nicht beliebig entwickeln. Ich stehe für ein Strausberg, das wirtschaftlich stabil bleibt, kulturell an Profil gewinnt und sich so entwickelt, dass Lebensqualität, Umwelt und Zusammenhalt im Mittelpunkt stehen. Nicht schneller, nicht größer – sondern besser und zukunftsfest.

Das regionale Gewerbe ist eine stabile Säule unserer Stadt. Die Gewerbesteuereinnahmen lagen 2025 über den geplanten Erwartungen – das ist ein gutes Zeichen, auch wenn wir ehrlich sein müssen: Ein Teil davon ist inflationsbedingt und kein Selbstläufer. Entscheidend ist die breite Mischung aus Handwerk, Dienstleistungen, Mittelstand und lokalen Betrieben.

Mein Ansatz: Wir müssen im kontinuierlichen Austausch mit den Gewerbetreibenden bleiben, ihre Bedarfe frühzeitig kennen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen – etwa bei Flächen, Verkehrsanbindung, Genehmigungen und Fachkräften. Wachstum um jeden Preis lehne ich ab. Wichtig ist mir ein regional verankertes, ressourcenschonendes Gewerbe, das Arbeitsplätze sichert, ohne unsere Stadt zu überfordern – insbesondere mit Blick auf Wasser, Verkehr und Flächennutzung.

Kultur ist kein Beiwerk, sondern ein Standortfaktor. Sie prägt Identität, schafft Begegnung und macht Strausberg lebendig – für Alteingesessene ebenso wie für Zugezogene. Wir brauchen beides: dezentrale kulturelle Angebote in den Stadtteilen und einen zentralen Ort, der Strahlkraft entwickelt. Deshalb will ich die Festsaal-Initiative weiter vorantreiben und Kultur stärker in die Stadtentwicklung integrieren – nicht als freiwillige Leistung, sondern als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge.

Strausberg darf wachsen – aber mit Augenmaß. Kein unkontrolliertes Flächenwachstum, sondern Entwicklung in Qualität: bezahlbares Wohnen, funktionierende Infrastruktur, Kitas, Schulen, Verkehr und vor allem eine gesicherte Wasserversorgung. Ziel ist eine stabile Einwohnerzahl mit guter sozialer Mischung: Familien, ältere Menschen, junge Erwachsene – alle sollen hier gut leben können. Wachstum darf die Stadt nicht überfordern, sondern muss langfristig tragfähig sein.

6. Sehr viele Strausberger engagieren sich in ihrer Freizeit in Sport- oder Kulturvereinen. Einige sind in der ganzen Welt bekannt. Manche dieser Freizeiteinrichtungen haben Kummer mit Trainingsorten und Ausstattung. Wie wollen Sie dafür sorgen, dass diese einmalige Vereinslandschaft erhalten bleibt?
Kultur und Sport sind kein Luxus – sie halten unsere Stadt zusammen. Wo Menschen sich begegnen, entstehen Vertrauen, Ehrenamt und Demokratie. Genau das leisten unsere Vereine. Unser großes Plus ist: Strausbergerinnen und Strausberger sind überdurchschnittlich aktiv in Sport- und Kulturvereinen. Das ist ein Schatz, den wir nicht verspielen dürfen. Wer wie ich freiwilliges Engagement will, muss als Stadt Verlässlichkeit liefern. Deshalb ist es Aufgabe der Kommune, klare und stabile Rahmenbedingungen zu schaffen: Räume erhalten, Planungssicherheit geben und fair fördern. Auch in angespannten Haushaltslagen. Eine verlässliche Sportförderrichtlinie gehört dazu genauso wie mehrjährige Planungssicherheit für die Vereine. Als ehemaliger Vereinsvorsitzender weiß ich, nichts ist schlimmer als nur kurzfristige Zuschüsse und Unsicherheit von Jahr zu Jahr.

Wir müssen vorhandene Räume besser nutzen: Ich will Schulen, Sporthallen und öffentliche Gebäude konsequent als Mehrzweckorte denken. So nutzen wir vorhandene Infrastruktur effizienter. Wenn es uns gelingt, noch mehr die Kooperationen mit Kitas und Schulen zu stärken, stärken wir sowohl den Nachwuchs und entlasten Vereine zugleich.

Fast 2.000 Haustürgespräche zeigen deutlich: Viele Menschen sind nicht nur in Vereinen aktiv, sie wünschen sich Kultur, Begegnung und niedrigschwellige Treffpunkte auch direkt in den Wohnquartieren. Überdachte Sitzgelegenheiten, gute Beleuchtung und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sind keine Nebensachen, sondern Voraussetzung für lebendige Nachbarschaften. Ich finde, gleichzeitig braucht Strausberg ein kulturelles Zentrum, ein Festsaal, der Vereinen, Kultur und Stadtgesellschaft Raum gibt. Das gehört auf die politische Agenda. Wir müssen Bildung, Sport und Kultur zusammendenken und proaktiv Fördermittel einwerben, statt alles isoliert zu betrachten.

7. Andere Städte haben große Neubaugebiete ausgewiesen und dadurch viele neue Einwohner gewonnen. In Strausberg sollen vorhandene innerstädtische Flächen zuerst genutzt werden. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
Wohnen ist ein Menschenrecht. Strausberg ist vergleichsweise noch bezahlbar – aber das ist kein Selbstläufer. In vielen Gesprächen spüre ich die wachsende Unsicherheit: Familien finden kaum ausreichend große bezahlbare Wohnungen, Ältere bleiben in zu großen, weil bezahlbare Alternativen fehlen. (Ich kenne das gut, da ich derzeit selbst auf der Suche bin.)

Ich setze zuerst auf innerstädtische Flächen und bestehende Quartiere, statt immer neue Randlagen zu versiegeln. Öffentliche Flächen gehören der Allgemeinheit – sie sollten für kommunalen Wohnungsbau genutzt werden, nicht für Spekulation. Unser Ziel ist nicht Masse, sondern gute Quartiere: mit ÖPNV-Anbindung, Kultur-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, Grün, Nahversorgung und Aufenthaltsqualität.

Kommunale Unternehmen wie die SWG sind dabei der Schlüssel. Sie sichern stabile Mieten und ermöglichen gezielte Instrumente – etwa Wohnungstauschprogramme, eine Neuvermietungsbremse im Bestand und familiengerechten Neubau zu fairen Preisen.

Gleichzeitig müssen wir verantwortungsvoll mit knappen Ressourcen umgehen: extensives Wachstum ist wegen Wasserknappheit keine Option. Wir brauchen qualitätsvollen, sozial gebundenen Wohnraum dort, wo er ökologisch vertretbar ist – unterstützt durch Fördermittel von Land und Bund. Bezahlbares Wohnen entsteht nicht zufällig. Es ist das Ergebnis politischer Entscheidungen. Die will ich in diesem Sinne vorantreiben.

8. Die Digitalisierung und Organisation der Verwaltungsarbeiten der Stadtverwaltung mit immerhin 350 Mitarbeitern ist ein großes Thema. Welche Strategie haben Sie hier?
Strausberg hat in den letzten Jahren wichtige Grundlagen gelegt: Es gibt eine beschlossene Digitalisierungsstrategie, konkrete Maßnahmen wurden umgesetzt und das digitale Serviceportal ist online. Bereits heute können viele Verwaltungsleistungen darüber abgewickelt werden – von Terminbuchungen über Urkundenanforderungen bis hin zu digitalen Meldediensten. Den Anschluss hat Strausberg also nicht verpasst.

Einige Lücken entstehen dort, wo wir von landes- oder bundesweiten Vorleistungen abhängig sind – etwa bei bestimmten OZG-Leistungen oder Schnittstellen. Das ist kein lokales Versäumnis, sondern ein strukturelles Problem, mit dem viele Kommunen kämpfen. Ganz konkret stehen aus meiner Sicht drei nächste Schritte an: Erstens muss das Serviceportal um Online-Zahlungsmöglichkeiten (E-Payment) ergänzt werden,
damit digitale Anträge auch vollständig digital abgeschlossen werden können. Zweitens müssen die städtische Website und das Serviceportal enger verzahnt werden, um doppelte Informationen zu vermeiden und die Nutzerführung deutlich zu verbessern. Drittens braucht es eine klare Verknüpfung zu den digitalen Angeboten des Landkreises, damit Bürgerinnen und Bürger nicht zwischen Zuständigkeiten springen müssen, sondern alles an einem Ort finden.

Ich weiß, der entscheidende Punkt für die nächsten Jahre ist jedoch ein anderer: Digitalisierung funktioniert nicht nebenbei. Wir müssen gezielt personelle, zeitliche und organisatorische Ressourcen in diesen Prozess investieren – sowohl in der IT als auch in den Fachämtern. Dazu gehört auch, Verwaltungsabläufe zu prüfen und zu vereinfachen, bevor man sie digital abbildet. Ein weiteres Zukunftsthema ist der verantwortungsvolle Einsatz KI-gestützter Anwendungen – etwa zur Unterstützung interner Abläufe oder bei standardisierten Anfragen. Hier braucht es klare Regeln, Datenschutz, Transparenz und vor allem Qualifizierung der Beschäftigten. KI darf entlasten, aber nicht entmündigen.

Bei aller Technik gilt für mich ein Grundsatz: Die Verwaltung bleibt für alle erreichbar. Digitalisierung darf niemanden ausschließen. Deshalb braucht es weiterhin analoge Zugänge, persönliche Ansprechpersonen und Unterstützung für Menschen, die digitale Angebote nicht oder nur eingeschränkt nutzen können. Gleichzeitig müssen digitale Angebote barrierefrei, verständlich und zuverlässig sein.

9. Wo sehen Sie die Stadt Strausberg in 30 Jahren?
Wenn ich zurückblicke, wo Strausberg 1996 stand, fällt es mir schwer, eine exakte Prognose für das Jahr 2056 abzugeben. Viele Entwicklungen, die unsere Stadt heute prägen, waren damals nicht absehbar. Selbst das Stadtentwicklungskonzept von 2017, das bis 2030 reichen sollte, ist in zentralen Punkten bereits überholt. Die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich – durch Klimawandel, demografische Verschiebungen, Digitalisierung und globale Krisen.

Gerade deshalb ist für mich der wichtigste Auftrag der Kommunalpolitik, vor Ort Stabilität zu organisieren, wo immer wir es können. Nicht alles liegt in unserer Hand – aber vieles sehr wohl. Ich möchte 2056 eine Stadt sehen, in der zufriedene Menschen leben, die einer sinnstiftenden Arbeit nachgehen können, ohne dabei krank zu werden oder auszubrennen. Eine Stadt, in der Wohnen bezahlbar ist, Wasser gesichert bleibt, Mobilität funktioniert und öffentliche Orte Begegnung ermöglichen.

Ich wünsche mir ein Strausberg, in dem Zusammenhalt stärker ist als Spaltung – in dem es niemand für selbstverständlich hält, sich durch die Abwertung seiner Nachbarinnen und Nachbarn selbst aufzuwerten. Eine Stadt, in der Unterschiede ausgehalten werden, ohne dass das Gemeinsame verloren geht. Strausberg soll auch in 30 Jahren eine überschaubare, lebenswerte Stadt sein: klimaresilient, sozial stabil, mit starken kommunalen Strukturen, engagierten Vereinen und einer Verwaltung, die den Menschen dient und nicht gegen sie arbeitet. Keine Stadt, die immer größer werden will – sondern eine, die gelernt hat, besser zu werden. Kurz gesagt: Ich sehe Strausberg 2056 nicht als fertiges Idealbild, sondern als Stadt, die ihre Probleme kennt, offen diskutiert und gemeinsam löst – und genau darin liegt ihre Stärke.

17.01.2026, Strausberg


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