
Bild:© Andreas Prinz
1. Welches ist Ihr Lieblingsplatz in Strausberg?
Gern genieße ich den Blick auf den Straussee von einer Bank in direkter Nähe der
Fähre und des Spielplatzes.
2. Wenn Sie gewählt werden, welches sind die Maßnahmen, die Sie in den ersten 100 Tagen auf den Weg bringen wollen?
Es stehen in meinen Augen viele Koordinationstermine an. Zunächst benötigt es eine Bestandsaufnahme der Verwaltungsarbeit sowie der aktuellen Arbeitsweise (Hardware, Software, Arbeitsprozesse, Haushaltssituation). lm Anschluss möchte ich eine Mitarbeiterversammlung abhalten und mit allen Mitarbeitenden die Ziele und ldeen für die weitere Entwicklung unserer Stadt besprechen und mögliches Potenzial durch Motivation und zielgerichtetes Engagement entfalten.
Unsere Stadt wird vor allem von unseren Mitmenschen und ehrenamtlichen Vertretern und Helfern gestaltet. lch werde daher schnellstmöglich die Zusammenarbeit mit der Taskforce Straussee reaktivieren und priorisieren. Darüber hinaus möchte ich eine Vereinssprechstunde anbieten, in der Wünsche, ldeen und Kritik geäußert werden können. lm Ergebnis ist es mein Ansinnen ungenutzte Fördermöglichkeiten zu finden und mit einem kompetenten Verwaltungsteam Hilfestellungen bei Förderantragen und der damit verbundenen Bürokratie, letztlich bei der Realisierung besprochener Projekte, anzubieten.
3. Der Straussee ist das Juwel der Stadt. Der Wasserstand bereitet vielen Strausbergern Sorgen. Welche konkreten Schritte wollen Sie unternehmen?
Strausberg muss zu einer Schwammstadt werden und die zur Verfügung stehenden Wasserressourcen effektiver nutzen. Dazu gehören Themen wie die gezielte Grundwasseranreicherung, das Planen von weiteren Retentionsflächen für Starkregenereignisse wie Regenrückhaltebecken und Versickerungsflächen (bspw. den Elefantenpfuhl). Vor allem Regenwasser muss im regionalen Wasserkreislauf gehalten werden und wir müssen uns bei Neubauten dem Thema der Grauwassernutzung verstärkt widmen. Für den Straussee ist es zudem überlebenswichtig endlich konkrete Entscheidungen mit dem WSE, den Berliner Wasserbetrieben und der Landesregierung zu treffen, wie es mit der Wasserversorgung zukünftig weitergeht. Unser See ist schließlich symptomatisch für ein sich weiter verstärkendes Versorgungsproblem im Bereich der Trinkwasserversorgung. Helfen wir dem Straussee, wird perspektivisch auch unsere Wasserversorgung gesichert werden. Für diesen Zweck müssen alle Optionen von Überleitung bis hin zu regionalen Klärwerken endlich konzeptionell und handfest entschieden werden.
4. In Strausberg müssen einige Straßen instandgesetzt werden, beispielsweise die Berliner Straße. Viele Autofahrer sind von Staus gerade am Morgen und zum Feierabend genervt. Welchen Plan haben Sie für die Verkehrsentwicklung in unserem Ort?
Strausberg verfügt bereits über eine breite Verkehrsanbindung von S-Bahn, Tram, Auto bis hin zu Fahrrad und Fußwegen. Allerdings müssen diese lnfrastrukturen besser und enger miteinander verzahnt werden: bspw. durch die finale Vorlage eines Fahrradkonzeptes, eine Bestandsaufnahme der zu Strausberg gehörenden Straßen sowie gleichzeitige Abstimmung von Ausbaumöglichkeiten mit anderen Eigentümern wie dem Land oder dem Landkreis. Das heißt wenn Leitungen verlegt werden, soll nicht erst nach einem Monat nach Beendigung der Maßnahme eine Glasfaserverlegung stattfinden oder Radwege dürfen nicht einfach an einer Stadtgrenze auf einem Feld enden, sondern sollen idealerweise in die nächste Gemeinde weitergeführt werden. Mit einer Diversifizierung und besseren Koordinierung des öffentlichen Verkehrsnetztes sowie Radwegen möchte ich Angebote schaffen nicht jede Strecke mit dem Auto zu fahren und Kernkonzepte wie unsere Straßenbahn weiter zu erhalten, um Pendler und Schüler gleichermaßen ans Ziel zu bringen.
Damit die langgezogenen und vielgenutzten Hauptverkehrsstraßen wie die Berliner Straße und Ernst-Thälmann-Straße innerorts weniger belastet werden, möchte ich zudem mit dem Straßenverkehrsamt des Landkreises die Beschilderungen im Stadtgebiet prüfen und möglichst LKW-Verkehr ohne „Anliegen im Stadtbereich" (bspw. bei reiner Durchfahrt) über die existierende Umgehungsstraße umleiten.
5. Wie wollen Sie, dass sich Strausberg entwickelt in den Bereichen Gewerbe, Kultur und Einwohnerzahl?
Der Kulturpark soll das Wort „Kultur" in Zukunft wieder vollständig verkörpern und ein vielfältiges Angebot für Kulturinteressierte bieten. lch habe hier die Vision von einer stärkeren Einbindung unserer Partnerstädte (bspw. durch Auftritte von Chören, Durchführung von Tänzen, Orchestern und auch den Sportaustausch — den Sport und Kultur verbinden). Außerdem möchte ich unser „historisches" Mini-Amphitheater wiederbeleben und unter anderem mit der Jugendtheatergruppe von unserem lokalen Theater „Die Andere Weltbühne" zusammenarbeiten, um Vorstellungen in den Sommermonaten zu organisieren.
Unsere heimischen Unternehmen möchte ich möglichst in die Vergabe kommunaler Aufträge einbinden und stets eine Chance zur Teilnahme bieten. Gleichzeitig werde ich den bestehenden Unternehmern die Möglichkeit eröffnen, Anliegen sowie Verbesserungsvorschläge in einem regelmäßig abgehaltenen Unternehmerstammtisch mitzuteilen und durch offene Gespräche und Digitalisierung einen Bürokratieabbau (bspw. durch die Verbesserung und Verschlankung von Antragsprozessen) umzusetzen.
Darüber hinaus habe ich oft das Gefühl, dass es viele gute ldeen und potenzielle Unternehmer in unserer Stadt gibt, diese aber bei der Umsetzung Hilfe benötigen oder einfach nicht den richtigen Ort finden, um Ihr Geschäft zu entfalten. Mir schwebt hier eine lntensivierung der Zusammenarbeit mit der Gründerszene im STIC vor sowie vermittelnde und informatorische Leistungen direkt aus der Verwaltung heraus: Wo gibt es im Stadtgebiet gewerbliche Mieträume? An welchen Orten gäbe es grundsätzlich Potenziale für Ansiedlungen wie Restaurants, Reparatur Cafs etc.? Damit diese Serviceleistungen für Unternehmer und Einwohner unserer Stadt verbessert werden können, muss die Stadtverwaltung wieder zu einem schlagkräftigen und motivierten Team zusammenwachsen. Lösungen sollen dabei stets als Gemeinschaft gefunden werden.
Nicht zuletzt gehört die Altstadt in meinen Augen zur „Strausberger Kultur", denn es werden stets beliebte Events veranstaltet. Aber ich möchte die Altstadt auch im Alltag attraktiv halten und einen Bürgermarkt etablieren sowie das Stadthaus endlich wieder für die Bürger nutzbar machen und ein Nutzungskonzept entwickeln und umsetzen. Ferner möchte ich auf Künstler aktiv zugehen und die Kunst sowie Kreativität fördern und in den Mittelpunkt rücken.
Die derzeitige Einwohnerzahl sollte dabei eher stabil gehalten werden. Einerseits ist Strausberg bisher bei älteren Einwohnern sehr beliebt, doch auch junge Familien sollen eine Chance erhalten sich hier anzusiedeln und unsere Stadt lieben zu lernen. Fakt ist jedoch auch, dass die hohen Mieten in Berlin weitere Menschen in den umliegenden Metropolraum verdrängen werden, ob wir dies wollen oder nicht. Es wird daher eine enorme Herausforderung sein, den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten sowie die Versorgung (von Wasser bis zum KiTa Platz) stets zu gewährleisten.
6. Sehr viele Strausberger engagieren sich in ihrer Freizeit in Sport- oder Kulturvereinen. Einige sind in der ganzen Welt bekannt. Manche dieser Freizeiteinrichtungen haben Kummer mit Trainingsorten und Ausstattung. Wie wollen Sie dafür sorgen, dass diese einmalige Vereinslandschaft erhalten bleibt?
Unsere Vereinslandschaft in Strausberg ist vielfältig, groß und einzigartig. Daher werde ich vor allem eine transparente, aber prioritären Vergabe von Hallenzeiten für den Schulsport als Zielstellung verfolgen. Die Vereine die sich den Themen Kunst, Kultur, Freizeitgestaltung, Nachhaltigkeit widmen bspw. Flieger Club, Ernas Unverpacktladen, Akanthusverein, das Theater „Die andere Weltbühne"), um nur einige zu nennen, möchte ich bei lnvestitions- und Modernisierungsfragen unterstützen und bspw. bei der Suche und Beantragung von Fördermöglichkeiten unterstützen. Weiterhin muss bei den Stadtverordneten der Mut existieren, weitreichende Entscheidung wie den Neubau oder die Modernisierung von städtischen Sport- und Kultureinrichtungen (Schwimmhalle, Bürgerhaus) anzugehen und nicht in eine unbestimmte Zukunft zu verlagern.
7. Andere Städte haben große Neubaugebiete ausgewiesen und dadurch viele neue Einwohner gewonnen. In Strausberg sollen vorhandene innerstädtische Flächen zuerst genutzt werden. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
Selbstverständlich sollen innerstädtische Flächen bei dem Ausbau bevorzugt berücksichtigt werden. Allerdings kann man es nicht ausschließen, dass sich die Besiedlung außerhalb des Stadtkerns weiterentwickelt, da die Stadtverwaltung nicht per se über jede innerstädtische Fläche bestimmen oder verfügen kann (Privateigentum). Wichtig ist es jedoch stets die Bedürfnisse der Bewohner im Blick zu behalten und die Anbindung an öffentliche Infrastrukturen wie Bus, Radwege, Schule, Einkaufmöglichkeiten und KiTa Plätze einzuplanen.
8. Die Digitalisierung und Organisation der Verwaltungsarbeiten der Stadtverwaltung mit immerhin 350 Mitarbeitern ist ein großes Thema. Welche Strategie haben Sie hier?
Einerseits werde ich mich für vollständig digitale Antragsmöglichkeiten (nicht nur wie bisher ausfüllbare PDF-Downloads) einsetzen. Entsprechende technische Möglichkeiten sind keine Neuheit mehr, erfordern zunächst jedoch einen Gesamtüberblick und Ausbau der bisherigen IT-Strukturen.
Bei allen Digitalisierungsbestrebungen ist es mir jedoch persönlich ein wichtiges Anliegen, den Faktor Mensch nie aus den Augen zu verlieren und allen „Offlinern" sowie älteren Personen stets die Möglichkeit zu bieten, Anliegen ebenfalls direkt vor
Ort unkompliziert und schnell zu erledigen. Denn letztlich muss sich die Verwaltungsstruktur sowie die Verwaltungsleistung an die Bürger anpassen. Ich erwarte, dass ich durch die Bündelung verschiedener Fachgruppen und gezielte Bildung von Stabsstellen eine effiziente Verwaltung organisieren und gewährleisten kann. Dies bedeutet jedoch auch bestehende Abläufe sachlich zu hinterfragen und
Aufgaben neu zu ordnen. Ein solcher Prozess wird nicht über Nacht passieren, sondern ist ein lebendiger Prozess, der sich stetig weiterentwickelt. Schließlich sollen durch das Ausschöpfen von ungenutzten Potenzialen die Zufriedenheit in der Bevölkerung als auch in der Belegschaft erhöht werden. Mitarbeitende möchte ich durch flexible Strukturen, klare Zielvorgaben und sinnvolle Arbeitsinhalte motivieren und halten.
9. Wo sehen Sie die Stadt Strausberg in 30 Jahren?
Strausberg wird eine kreative und lebendige Stadtgemeinschaft sein, in der sich die Menschen wohlfühlen, unterstützen und das Leben in der grünen Stadt am blauen See genießen. Unsere Stadt wird in meiner Vision 100 Jahre nach der ersten Blüte als regionales Ausflugziel für Wochenendausflügler erneut erstrahlen. Potenzial sehe ich vor allem in schlummernden einzigartigen Attraktionen wie dem Wasserturm auf dem Marienberg oder unserer geschichtsträchtigen Badeanstalt, welche wieder voll genutzt wird und über einen Sprungturm verfügen wird. Der Straussee wird durch die Bestrebungen zur Entwicklung einer Schwammstadt wieder einen verträglichen Pegelstand erreichen, die Wasserversorgung wird gesichert sein und durch die Anbindung in den Radfernverkehr haben es Pendler und Hobbyradfahrer gleichermaßen einfacher, sich in unserer Region von A nach B zu bewegen.