
Bild:© Diakonisches Werk Oderland-Spree e.V.
15 Jahre Trauercafé Strausberg- ein Gespräch mit Kerstin Weigt, geführt von Alexa Ziegeler, Geschäftsführende Vorständin vom Diakonischer Werk Oderland-Spree e.V..
Liebe Frau Weigt, Sie sind seit März 2011 eine feste Größe, wenn es um Trauerarbeit in Strausberg geht. Was hat Sie damals dazu bewegt, sich in einem Ambulanten Hospizdienst zu engagieren?
Bei einem Pflegefall in der Familie Anfang der 00 Jahre fühlte ich mich ziemlich allein gelassen. Pflege ist sehr anstrengend und zu dieser Zeit gab es noch nicht viel Unterstützung. Das hat sich glücklicherweise verbessert. Inzwischen gibt es SAPV und verschiedene andere Hilfen.
Als ich jedenfalls 2009 die Anzeige vom Ambulanten Hospizdienst las, wollte ich die Ausbildung zum ambulanten Hospizhelfer machen. Meine Motivation war es, anderen in solch schweren Situationen Hilfe und Beistand zu geben.
Was gehört zu Ihren wichtigsten Aufgaben im Kontakt mit schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen?
Das Wichtigste aus meiner Sicht ist einfach, DA SEIN und ZEIT SCHENKEN. Den Sterbenden in seiner Situation annehmen. Manchmal ist es möglich noch Gespräche zu führen, manchmal auch einfach gemeinsam schweigen. Wenn es gewünscht ist möglicherweise kleine Wünsche erfüllen, wie Musik hören, vorlesen, gemeinsam Singen oder Fernsehen schauen. Ich erinnere mich da an eine wunderbare Dame, die so gern Krimis mit mir ansah. Mitunter braucht es auch emotionale Unterstützung, Ängste, Sorgen und Gedanken ernst nehmen, Trost spenden, ohne „falsche Versprechen“ zu machen.
Durch meine Anwesenheit haben Angehörige Zeit einmal eigene Dinge zu erledigen, wie Arztbesuche, Friseurtermine oder auch mal mit Freunden etwas unternehmen.
Bei Allem ist, Respekt und Würdewahren, essenziell. Wünsche, Glauben und Werte des Sterbenden und der Angehörigen respektieren, Diskretion und Schweigepflicht einhalten.
Die Begleitung am Lebensende und die Begleitung von Trauernden ist sehr intensiv – wie gehen Sie persönlich mit belastenden Situationen um?
Wir haben regelmäßig die Möglichkeit bei der Supervision über Dinge zu sprechen, die uns belasten. Auch mein Mann ist für mich ein guter Gesprächspartner.
Was hat Ihnen geholfen, über so viele Jahre engagiert zu bleiben?
Die Freude, die mir diese ehrenamtliche Arbeit macht. Das mag seltsam klingen, angesichts von Tod und Trauer. Aber wenn man Angehörigen in der letzten Zeit zur Seite stehen kann, Sterbende gut versorgt werden, dann fühlt sich das gut an. Von Sterbenden und ihren Angehörigen bekommt man so viel Dankbarkeit. Was will man mehr?
In den letzten Jahren habe ich mich der Trauerbegleitung gewidmet. Wenn Trauernde völlig down in die Gruppe kommen, nicht wissen, wie das Leben weitergehen soll und dann kommen sie in Kontakt mit anderen Betroffenen und merken, den anderen geht es ja genauso oder ähnlich. Sie sind gar nicht verrückt, wenn sie immer noch Gespräche mit dem verstorbenen Partner führen. Trauernde spenden sich gegenseitig Trost und Kraft. Es kommt vielleicht zu neuen Freundschaften oder sie finden einen Partner fürs gemeinsame Leben. Die Trauer vergeht nicht, aber sie wird erträglicher und man kann mit ihr leben. Wenn nach 2 oder 3 Jahren die Gruppe nicht mehr gebraucht wird, weil sie den Weg zurück ins Leben gefunden haben, was kann es Schöneres geben?
Was würden Sie Menschen sagen, die überlegen, sich ebenfalls im Hospizdienst zu engagieren?
Ich erinnere mich, dass einige von uns größten Respekt davor hatten, ob sie den Umgang mit Sterbenden ertragen. diese Tätigkeit überhaupt schaffen. Aber dann bekommt man so viel Dankbarkeit und Verbundenheit zu spüren. Natürlich kann man niemanden retten, aber man kann so viel tun, um den letzten Weg so angenehm wie möglich zu gestalten.
Was wünschen Sie sich für die Trauernden?
Prinzipiell und überall sollten wir uns und anderen doch immer das Leben so angenehm wie möglich machen. Mitgefühl mit anderen haben, ist dabei so wichtig. Wir wissen doch nicht, welche Last unsere Mitbürger*innen gerade zu tragen haben. Ich denke da an eine Teilnehmerin meiner Trauergruppe, die nach wirklich traumatischen Erlebnissen die Kraft gefunden hat, wieder im Einzelhandel zu arbeiten. Und sie schaffte es noch nicht immer ein Lächeln auf dem Gesicht zu tragen. Und dann gibt es Kunden, die sich darüber beschweren. Mir sagte sie dann „Ich bin doch nett, ich sage Bitte und Danke und nun soll ich auch noch lächeln?“ Und vielleicht hilft es ja den Menschen, die ihr Lächeln im Moment verloren haben, wenn wir ihnen ein Lächeln schenken. Eventuell kommt es zurück!
Vielen Dank für das ausführliche und informative Gespräch.
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Frau Isabell Friedrich, Leitung des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst des Diakonischen Werkes dankte ganz herzlich:
„Liebe Kerstin, habe vielen lieben Dank für Dein Engagement und Deine Zeit, die Du den Menschen am Lebensende und den Trauernden ehrenamtlich schenkst! Damit schenkst Du ihnen einen wichtigen Anker und hilfreiche Gemeinschaft. Daraus können sie Kraft schöpfen und es werden eigene Schritte wieder besser möglich!“
Haben Sie Interesse am Trauercafé:
Es findet statt an jedem 3. vollständigen Wochenende im Monat
Jeweils Samstag und Sonntag in der Zeit von 11:00 Uhr bis 13:00 Uhr
In der Landhausstr. 8 15344 Strausberg (Vorstadt)
Bitte melden Sie sich vor einem ersten Besuch an unter 03341-3059032
Quelle: Diakonisches Werk Oderland-Spree e.V.
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