Bio Gemüse für Jeden - 18.06.2026

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Bio Gemüse für Jeden
zur Abholung in Strausberg

Bild:© Andreas Prinz


Seit einigen Jahren hat die Solidarische Landwirtschaft Lawine eine Abholstation für frisches, regionales Gemüse und leckeren Ziegenkäse in Strausberg. Was eine Solawi ist und wie die Abholstation funktioniert, das wollten wir von einer der Gärtnerinnen, Katharina Demandt, wissen.

Frau Demandt, was ist überhaupt eine Solidarische Landwirtschaft, oder kurz Solawi?
Solawi steht für solidarische Landwirtschaft und bedeutet, dass sich Bäuer*innen und Verbraucher*innen zusammenschließen und eine solidarische Verbindung eingehen. Das bedeutet ganz konkret, dass eine feste Gruppe von Abnehmer*innen, die Mitglieder der Solawi, mit einem monatlichen finanziellen Beitrag die Landwirtschaft und Produktion auf dem Hof tragen und dafür wöchentlich die Ernte bekommen - in unserem Fall also jede Woche eine frische Gemüseportion und/oder leckeren Ziegenkäse.

Dadurch, dass die Mitglieder der Solawi die Abnahme unserer Erzeugnisse garantieren, teilen wir uns die Verantwortung einer landwirtschaftlichen Produktion. Wir als Bäuerinnen können uns also ein Stück weit von den Marktzwängen befreien. Gleichzeitig gibt es in unserer Solawi ein solidarisches Preissystem, sodass sich mehr Menschen unabhängig vom Einkommen frische und ökologische Lebensmittel leisten können.

Und wie genau funktioniert nun die Abholstation in Strausberg?
Wir liefern jeden Donnerstagnachmittag in unsere regionalen Abholstationen, also auch nach Strausberg ins soziokulturelle Zentrum Horte, in der Peter-Göring-Straße. Es gibt für die Mitglieder einen festen Abholzeitraum bis Freitagabend. Dort stehen dann alle Gemüsekulturen in ihren Kisten bereit und jedes Mitglied wiegt sich sein Ernteanteil selbst ab. Wir geben eine klare Liste vor, auf der genau steht, wie viel von jedem Gemüse einem Ernteanteil zusteht. Der Käse wird schon in Boxen vorgepackt und jeder Anteil nimmt sich eine Box.

Viele haben zunächst Sorge, dass dieses System nicht funktioniert, weil sich die Mitglieder sich gegenseitig etwas wegnehmen oder zu viel abwiegen. Unsere jahrelange Erfahrung ist jedoch, dass das System gut passt und es sich lohnt, sich gegenseitig zu vertrauen.

Gibt es noch weitere Abholstationen an anderen Orten?
Ja, wir haben insgesamt 5 Abholstationen - eine direkt bei uns auf dem Hof, zwei in Fürstenwalde, in Heinersdorf und in Strausberg. Jede Station hat zwischen 15-30 Mitglieder und sieht überall etwas anders aus und es gibt aufgrund unserer Liefertour abweichende Abholzeiten. Das Gemüse und der Käse ist jedoch gleich. Ein wichtiges Ziel unserer Arbeit ist für uns, dass unsere Produkte vor allem regional gegessen werden und nicht alles nach Berlin gefahren wird. Wir wünschen uns, dass wieder eine Beziehung zwischen der Landwirtschaft und den essenden Menschen entsteht.

Wir planen zudem in den nächsten Monaten weitere Abholstationen in Erkner oder Neuenhagen und in Hangelsberg zu eröffnen. Interessierte für diese Orte können sich jetzt schon bei uns melden!


Was bedeutet es Mitglied bei eurer Solawi zu sein?
Am wichtigsten ist natürlich jede Woche das leckere Gemüse und/oder den Käse abzuholen und zu essen. Nur so können wir eine Landwirtschaft aufbauen, bei der kein Essen auf dem Feld verdirbt oder bei Zwischenhändlern weggeschmissen werden muss. Als Solawimitglied wird man kein formales Mitglied in einem Verein oder ähnliches, sondern es ist eher ein symbolischer Begriff dafür, dass man Teil der Solawi ist und das Konzept verstanden hat. Das erklären wir aber zu Beginn aber auch nochmal mit einem Infoblatt, das jede interessierte Person bekommt.

Und natürlich freuen wir uns auch, wenn engagierte Mitglieder Fähigkeiten oder Interessen in die Solawi mit einbringen, das kann ganz individuell entstehen.
Einmal im Jahr, meistens im Dezember, machen wir eine Mitgliederversammlung, bei der wir einen Rückblick aufs vergangene Jahr geben, den neuen Finanzplan fürs kommende Jahr vorstellen und gemeinsam ein paar größere Themen besprechen.

Muss man als Solawimitglied auf dem Acker mitarbeiten?
Generell gilt bei uns: wir machen den professionellen Anbau, ihr bekommt die Produkte. Jedoch laden wir euch ab und zu ein bei freiwilligen Ackereinsätzen mitzumachen und damit direkt vor Ort mitzubekommen, wo das Gemüse wächst, wie es den Ziegen geht, wie unsere Landwirtschaft aussieht und wie viel Arbeit das ganze ist.. und gleichzeitig können wir auch ab und zu ein paar Hände mehr gebrauchen - zum Beispiel bei der Karottenernte! Das ist für Familien mit Kindern auch eine schöne Möglichkeit eine Verbindung zu Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion aufzubauen. Denn tatsächlich steckt hinter jedem Gemüse und jedem Käse Unmengen an Arbeit, Wissen, Planung, Schweiß und Gehirnschmalz - und natürlich viele spannende ökologische Zusammenhänge. Diese Ackereinsätze sind freiwillig, da wir niemanden zum Arbeiten zwingen möchten, sondern es eher als eine Bereicherung für beiden Seiten sehen.


Wie viel kostet denn eigentlich ein Ernteanteil bei euch?
In einer Solidarischen Landwirtschaft gibt es keinen Preis für eine einzelne Möhre oder ein Stück Käse. Stattdessen finanzieren die Solawimitglieder alle Kosten, die in einem Jahr entstehen, um leckere Produkte für eine bestimmte Anzahl an Ernteanteilen zu produzieren. Im Gegenzug wird die komplette Ernte unter ihnen aufgeteilt. Jede bekommt also einen „Ernteanteil“. Dafür berechnen wir zu Beginn des Jahres unser Budget. Alles, was darin enthalten ist, stellen wir euch auf der Mitgliederversammlung Ende jeden Jahres genau vor. Aus dem Jahresbudget wird der Richtwert errechnet, also der monatliche Durchschnittsbeitrag für einen Ernteanteil.

Dieser Richtwert beträgt dieses Jahr 118 € pro Monat fürs Gemüse und 48 € für den Käse. + "und 68 € für einen halben Anteil" Je nach den finanziellen Möglichkeiten, dürfen alle Mitglieder mehr oder weniger als diesen Richtwert monatlich bezahlen. Das ist unser solidarisches Preissystem und der individuelle Beitrag wird einmal im Jahr festgelegt. Für uns ist dann relevant, dass wir am Ende zusammen auf die Gesamtsumme kommen, die wir im Budget berechnet haben. Das klingt vielleicht erstmal kompliziert, ist aber am Ende ganz einfach und wir klären auch gerne alle Fragen dazu.

Wie viele Personen können von einem Ernteanteil essen?
Das hängt sehr davon ab, wie viel und wie oft jemand kocht. Jedoch kalkulieren wir einen Ernteanteil für 2-4 Esser*innen. Viele teilen sich auch einen Ernteanteil mit Freund*innen oder Bekannten. Wem ein ganzer Anteil zu viel ist, kann einen halben Anteil beziehen.

Wie kann man sich die Landwirtschaft bei euch vorstellen und seit wann gibt es euren Betrieb?
Uns gibt es seit 2020 - also sind wir nun in der siebten Anbausaison. Wir arbeiten zertifiziert ökologisch und haben insgesamt 17 Hektar Land. Das meiste ist Weideland für unsere Ziegenherde, mit deren Milch wir Ziegenkäse produzieren, der Rest ist der Gemüseacker. Wir arbeiten zudem als Kollektivbetrieb und sind aktuell 8 Menschen, die sich um den ganzen Betrieb kümmern. Unser Hof befindet sich nördlich von Fürstenwalde, neben dem Dorf Neuendorf im Sande auf einem Gutshof.

Spannend - und was müssen jetzt Menschen tun, die mitmachen möchten und jede Woche eure Produkte bekommen wollen?
Ihr könnt auf unsere Webseite www.solawi-lawine.de gehen und dort findet ihr unter ‚Mitmachen’ ein Formular zum Ausfüllen. Oder ihr schreibt uns einfach eine Email: an lawine@zusammen-in-neuendorf.de. Wir beantworten dann eure Fragen, und ihr erhaltet einen Infozettel mit ganz konkreten Informationen, wie die Solawi organisiert ist und was die nächsten Schritte sind. Nach einer festen Rückmeldung von euch dazu könnt ihr schon bald euer frisches Gemüse und/oder Ziegenkäse abholen.

Wir freuen uns auf euch!



18.06.2026, Strausberg





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