Stephan Blumenthal - 04.09.2026

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Stephan Blumenthal
Fragen und Antworten


1. Was haben Sie für die ersten 100 Tage nach Amtsantritt auf Ihrer Agenda, was wollen sie direkt auf den Weg bringen?
Eine Schonfrist wird es nicht geben. Schon in den ersten 100 Tagen stehen Entscheidungen an, die für Strausberg auf Jahre wichtig sind. Ein Bürgermeister kommt zwar mit eigenen Ideen ins Rathaus. Zunächst übernimmt er aber die laufenden Geschäfte. Zum Jahresende werden wichtige Weichen für unsere künftige Wasser- und Abwasserversorgung gestellt. Dabei geht es um etwas sehr Grundsätzliches. Wasser muss für Strausberg auch morgen sicher und bezahlbar bleiben. Gleichzeitig wird die Krankenhausversorgung in Brandenburg neu geordnet. Eine gute medizinische Versorgung gehört zu einer Stadt, in der Menschen gerne leben und alt werden. Auch im Rathaus sind erste Veränderungen spürbar. Erste Verbesserungen der Arbeitsbedingungen sind umgesetzt, Entscheidungswege geklärt und der Haushalt für 2027 ist beschlussreif. Die ersten Wohngebiets- und Verkehrsbegehungen sind durchgeführt. Bekannte Probleme sind vor Ort geprüft, Lösungen festgelegt und erste Dinge erledigt.

2. Die Arbeit eines Bürgermeisters ist auch die Stadt Strausberg nach außen zu präsentieren. Die Hauptaufgabe ist es jedoch die Stadtverwaltung mit den immerhin 350 Angestellten in verschiedensten Funktionen zu leiten. Was qualifiziert Sie dazu, diese Arbeit zum Wohle der Einwohner gut auszuführen?
Die Menschen dürfen sich auf mich freuen. Vom Reservistenverein bis zum KSC, von der Vorstandsarbeit bis zum Streckenposten beim Strausseelauf. Seit meiner Jugend lebe ich Strausberg aktiv und spüre, was gut läuft und was nicht. Zudem gehören Führung, klare Entscheidungen, rechtssichere Abläufe und der sichere Umgang mit öffentlichen Finanzen seit Jahren zu meinem
Berufsalltag. Viele Jahre Führungserfahrung sammelte ich bei der Bundeswehr, als Sachgebietsleiter im Finanzamt und als Vorsitzender der MIT Märkisch-Oderland, einem politischen Wirtschaftsverband. Dabei habe ich mich noch nie hinter Gutachten oder Vorschriften versteckt, sondern stets Verantwortung übernommen und mich vor die Beschäftigten gestellt. Durch meine Selbstständigkeit, meine Tätigkeit im Aufsichtsrat und in der Stadtverordnetenversammlung kenne ich auch die andere
Seite. Ich weiß, wie Verwaltungsentscheidungen entstehen und wie sie draußen bei den Menschen ankommen. Diese Erfahrung gibt mir einen klaren Blick für Abläufe und Entscheidungen. Welche Herausforderungen morgen auf Strausberg zukommen, wissen wir heute noch nicht in Gänze. Neuen Herausforderungen begegne ich mit Souveränität. Diese Sicherheit brauchen wir Strausbergerinnen und Strausberger ebenso wie die Beschäftigten, die unsere Verwaltung tragen.

3. Wo setzen Sie ihre Prioritäten bei der Stadtinnenentwicklung ohne den Wasserhaushalt des Straussees (beipielsweise durch zusätzliche Versiegelungen, und steigendem Wasserverbrauch durch Zuzug) weiter zu gefährden?
Strausberg kann wachsen, ohne dass wir dafür jeden freien Quadratmeter zubauen. Innenentwicklung hat viele Vorteile und ist im Baugesetzbuch auch so vorgesehen. Das heißt, vorhandene Flächen besser zu nutzen. Wasser, Wohnen und Lebensqualität müssen zusammenpassen. Ich habe bei genau diesem Zielkonflikt schon Haltung gezeigt, als es Geld gekostet hat. Als Stadtverordneter habe ich mich bei Bauplänen dafür eigesetzt, dass weniger Flächen versiegelt und mehr Regenwasser auf den Grundstücken gehalten werden. Genug gute Ideen liegen auf dem Tisch. Ich bringe die Erfahrung und die Entschlossenheit mit, diese Grundsätze bei den nächsten Planungen auch durchzusetzen.

4. In Strausberg gelten die SWG und die hiesigen Genossenschaften (WBG Aufbau und Neues Wohnen) zu den größten Vermietern. Sie verfügen über einen enormen Alt-Wohnbestand, was in den einzelnen Wohnarealen zu enormen Parkplatzproblem führt. Wie ist Ihr Lösungsansatz?
Strausberg ist eine Pendlerstadt. Viele Menschen sind auf das Auto angewiesen. Gleichzeitig ist jeder zusätzliche Parkplatz auch Fläche, die an anderer Stelle fehlt. Beides gehört zur Wahrheit. Deshalb wird es nicht die eine Lösung für ganz Strausberg geben. Jedes Wohngebiet braucht eine passende Antwort. Für einzelne Bereiche habe ich bereits konkrete und finanzierbare Lösungen entwickelt. Sie zeigen, dass zusätzlicher Parkraum und ein gutes Wohnumfeld zusammenpassen können. Jetzt geht es darum, daraus etwas zu machen.

5. Auf dem Territorium der Stadt Strausberg haben sich viele Gewerbebetriebe angesiedelt. Mit welcher Strategie wollen Sie die deren Entwicklung vorantreiben?
Unternehmer wissen selbst am besten, wie sie ihr Unternehmen entwickeln. Ich bin nebenbei selbstständig und war viele Jahre Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung MOL. Deshalb weiß ich, was Betriebe von einer Stadt brauchen. Gute Bedingungen und eine Verwaltung, die nicht zur Bremse wird. Wenn eine Genehmigung gebraucht wird, muss sie zügig bearbeitet
werden. Wenn es ein Problem mit der Stadt gibt, braucht es einen erreichbaren Ansprechpartner und eine klare Entscheidung. Und wenn keine Hilfe gebraucht wird, darf man Unternehmer auch einfach machen lassen. Vernetzt sind unsere Gewerbetreibenden längst. Ich kenne viele dieser Netzwerke seit Jahren und bleibe dort auch weiterhin persönlich ansprechbar.

6. Die Elektromobilität nimmt deutschlandweit immer mehr Raum ein- wo sehen Sie in und für Strausberg Handlungsbedarf?
Wer sein Auto zu Hause laden kann, braucht die Stadt dafür kaum. Wer aber im vierten Stock wohnt, kann kein Ladekabel aus dem Fenster zum Parkplatz legen. Genau dort sehe ich Handlungsbedarf. Der Gesetzgeber verpflichtet bei Neubauten und größeren Sanierungen ohnehin zunehmend dazu, Ladeinfrastruktur mitzudenken. Wenn wir vorhandene Parkflächen neu ordnen oder neue schaffen, wird die Ladeinfrastruktur von Anfang an mitgedacht. Das erspart später teure Umbauten und hält uns flexibel. Spannend ist, dass Mieterstrom, Solarenergie und Ladestrom sich heute miteinander verbinden lassen. Die Technik ist da, die gesetzlichen Möglichkeiten sind da und wir haben sogar die passenden Unternehmen hier in Strausberg. Die Bausteine sind also vorhanden. Ich kann sie zusammenbringen und daraus eine umsetzbare Lösung machen.

7. Wie wollen Sie die Stadtverwaltung reformieren, damit sie weiterhin bürgernah und doch digitaler fungiert?
Eine Reform braucht es dafür nicht. Vieles funktioniert heute schon gut, besonders im Bürgerbüro. Termine gibt es kurzfristig, vieles geht sogar ohne Termin und manches bereits online. Das soll so bleiben. Wer persönliche Hilfe braucht und lieber mit einem Menschen spricht, bekommt sie auch weiterhin. Digitalisierung muss den Alltag einfacher machen. Mein Ziel ist, dass die Menschen möglichst viele Angelegenheiten über einen Zugang erledigen können. Antrag stellen, Hilfe bekommen, Unterlagen einreichen und Bescheide erhalten. Weniger Wege für die Bürger und weniger Rückfragen für die Verwaltung. Ich habe selbst in verschiedenen Behörden und Finanzämtern gearbeitet und weiß, wie unterschiedlich weit Verwaltungen bei der Digitalisierung sind. Deshalb will ich vorhandene Lösungen zusammenführen, statt immer neue Insellösungen zu schaffen. Mit meiner Erfahrung kann Strausberg hier vorne mit dabei sein. Die Technik dafür ist weiter, als viele wissen. Die BundID wird zur DeutschlandID weiterentwickelt. Für Unternehmen funktioniert mit dem ELSTER-basierten Konto bereits ein gemeinsamer Zugang zu Verwaltungsleistungen. Mit dem Once-Only-Prinzip sollen Bürger künftig nicht immer wieder dieselben Nachweise bei verschiedenen Behörden einreichen müssen. Und mit F13 steht bereits eine in Deutschland speziell für Verwaltungen entwickelte KI zur Verfügung.

8. Die Lebenshaltungskosten und Aufwendungen steigen im Allgemeinen. Auch die Kommunen haben steigende Kosten/Aufwendungen beispielsweise Personalkosten, Planungs- und Baukosten etc. und weiteren Herausforderungen zu bewältigen. Wie ist Ihre Strategie?
Als Diplom-Finanzwirt bringe ich für solche Entscheidungen eine starke fachliche Grundlage mit. Meine Strategie ist nicht, einfach weniger auszugeben. Dauerhafte Ausgaben brauchen eine dauerhafte Finanzierung. Bei Investitionen zählt nicht nur der Kaufpreis, sondern auch, was Betrieb und Unterhaltung in den nächsten Jahren kosten. Fördermittel sind dann sinnvoll, wenn Strausberg auch die Folgekosten tragen kann. Notwendige Instandhaltung muss rechtzeitig erfolgen, bevor aus einer kleinen Reparatur ein großes und teures Problem wird. Eine Stadt kann jeden Euro nur einmal ausgeben. Deshalb müssen wir klare Prioritäten setzen und das Geld vernünftig einsetzen, wo es für Strausberg dauerhaft am meisten bewirkt.

9. Derzeit wohnen in Strausberg über 28.000 Einwohner, viele von ihnen sind über 55 Jahre alt. Die Zahl der Rentner und Pensionäre wächst, einige bedürfen Betreuung und Pflege. In einigen Bereichen gibt es wenig Fachärzte. Was wollen Sie auf den Weg bringen, um alle Menschen nach ihren Bedürfnissen zu versorgen?
Versorgung bedeutet nicht für jeden dasselbe. Wer älter wird, möchte möglichst lange selbstständig in Strausberg leben. Wer Pflege braucht, muss Unterstützung finden. Und wer einen Facharzt braucht, möchte nicht erst die halbe Region abfahren. Mit dem Pakt für Pflege haben wir bereits ein gutes Instrument. Das will ich gezielt für Angebote nutzen, die Menschen und Angehörige im Alltag wirklich entlasten. Bei Ärzten muss man ehrlich sein. Die Stadt vergibt keine Arztsitze. Aber die Standortfaktoren können wir beeinflussen. In der Gesundheits- und Bewegungsbranche gibt es bereits die Idee, Strausberg zu einer Gesundheitsstadt der Generationen weiterzuentwickeln. Diesen Ansatz halte ich für richtig und will ihn konsequent weiterverfolgen. Das kann für Strausberg richtig gut werden.

10. Die Strausberger Geburtsklinik wurde in der Mitte des Jahres geschlossen, weil zu wenig Kinder zur Welt kommen. Im Juli wurde sogar eine Kita geschlossen. Was wollen Sie unternehmen, dass diese Entwicklung umgekehrt wird?
Die Schließung unserer Geburtshilfe tut mir wirklich weh. Künftig werden im Strausberger Krankenhaus keine Kinder mehr geboren. Damit verlieren wir ein Stück Strausberger Identität. Zudem fehlt nun ein wichtiger Teil der medizinischen Ausbildung am Standort. Das macht es noch schwerer, junge Ärztinnen und Ärzte für Strausberg zu gewinnen und hier zu halten. Auch die Schließung einer
Kita macht mich traurig. Vor wenigen Jahren fehlten uns Plätze und Personal. Wir haben investiert, saniert und Menschen ausgebildet. Heute müssen wir wieder abbauen, was wir mühsam aufgebaut haben. Mir ist wichtig, dass wir unsere gut ausgebildeten Erzieherinnen trotzdem in Strausberg halten und ihnen eine sichere Perspektive geben. Kinderzahlen lassen sich nicht per Beschluss erhöhen.
Aber wir können dafür sorgen, dass junge Menschen in Strausberg bleiben, zurückkommen und hier ihre Familien gründen. Dazu müssen wir auch ehrlich zu uns selbst sein. Kinderfreundlichkeit zeigt sich nicht in schönen Worten, sondern im Alltag. Kinder spielen. Jugendliche treffen sich. Und manchmal sind sie laut. Wer eine lebendige Stadt mit Familien will, muss das auch mal aushalten und
ihnen Raum geben. Strausberg hat dafür so viel zu bieten. Wohnen, Kitas, Schulen, medizinische Versorgung, Arbeit, Sport und Freizeit gehören zusammen. Mein schönster Erfolg wäre, wenn wir die Fachkräfte bei uns halten und die Plätze und Kapazitäten schon bald wieder dringend brauchen.

11. Wie kann die Stadt Strausberg Mehreinnahmen generieren?
Als Diplom-Finanzwirt sehe ich hier meine Kernkompetenz. Beim Haushalt lohnt sich immer der Blick auf beide Seiten, Einnahmen und Ausgaben. Bevor wir Bürger und Unternehmen stärker belasten, fallen mir bessere Wege ein. Nur kurz so viel. Wir können prüfen, ob wir einzelne Leistungen unter Wert anbieten, ob wir bei unseren Ausgaben genug für unser Geld bekommen und welches Potenzial noch in unseren städtischen Gesellschaften steckt. Insgesamt sehe ich eine zweistellige Zahl konkreter Stellschrauben. Und wenn es gelingt, Strausberg als Wirtschaftsstandort und als Gesundheitsstadt der Generationen weiterzuentwickeln, kommen weitere hinzu. Gründe für
Steuererhöhungen sehe ich derzeit keine. Zwei unserer wichtigen Einnahmequellen wachsen bereits mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Steigen Einkommen und Unternehmensgewinne, partizipiert die Stadt automatisch. Entscheidend ist für mich, dass aus jedem Euro möglichst viel für Strausberg wird.

12. Welche freiwilligen Leistungen besitzen für Sie Priorität?
Freiwillige Leistungen sind oft genau das, was eine Stadt lebenswert macht. Und was wichtig ist, sieht für jeden anders aus. Für den einen ist es die Begegnungsstätte, für den anderen der Sportplatz. Familien brauchen andere Angebote als Senioren, Jugendliche andere als Erwachsene. Darum gibt es für mich keine Rangliste. Meine Priorität ist, das zu bewahren, was Strausberg trägt, von den
Menschen genutzt wird und unsere Stadt lebenswert macht. Vereine, Sport, Kultur, Begegnung und Angebote für Jung und Alt gehören dazu. Was Strausberg ausmacht und den Menschen hier wichtig ist, soll auch eine Zukunft haben.

13. In den letzten Jahren war ein immer größer werdender Graben zwischen Rathausspitze und der Stadtverordnetenversammlung zu beobachten. Wie wollen Sie die Kommunalpolitik wieder hinter der Rathausspitze vereinen und die Akteure von Ihren Visionen überzeugen?
Einen Graben sehe ich nicht. Und schon gar keinen, den man nicht überwinden kann. Rathaus und Stadtverordnete haben unterschiedliche Aufgaben. Aber am Ende arbeiten beide für dieselben Menschen. Die Stadtverordneten greifen Wünsche und Probleme oft schneller auf, als die Verwaltung sie umsetzen kann. Der Bürgermeister muss daraus einen gangbaren Weg machen. Es braucht mehr Mut und weniger Absicherung. Nicht jeder gute Gedanke braucht erst einen neuen Prüfauftrag und noch ein Gutachten. Gutachten helfen. Vorschriften geben den Rahmen. Aber am Ende müssen Menschen entscheiden und dafür geradestehen. Genau diese Erfahrung bringe ich mit. Ich kenne
Verwaltung, Kommunalpolitik und Aufsicht aus eigener Praxis. Ich will wieder hin zu mehr Eigenverantwortung auf beiden Seiten. Klar sagen, was erreicht werden soll. Den möglichen Weg aufzeigen. Entscheiden. Umsetzen.

14. Der/die zukünftige Bürgermeister/in hat einen Sitz im Vorstand des WSE. Welche Strategie verfolgen Sie bezüglich des WSE und der Mitgliederversammlung?
Das Thema Wasser beschäftigt mich seit vielen Jahren. Dabei habe ich mir nie nur eine Seite angehört. Ich habe technische Besichtigungen sowohl beim WSE als auch im Klärwerk gemacht, mich mit dem Umweltamt und dem ZALF in Müncheberg ausgetauscht und auch die Arbeit der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees über Jahre aufmerksam verfolgt. So kenne ich die unterschiedlichen Sichtweisen und kann unsere Interessen souverän vertreten. Beim WSE stehen gleich mehrere große Entscheidungen an. Zum Jahreswechsel ändert sich die Preisstruktur beim Trinkwasser. Gleichzeitig braucht die Region eine langfristige Lösung für die Abwasserentsorgung,
weil Münchehofe an seine Grenzen kommt. Und über allem steht die Frage, wie unsere Wasserversorgung auch künftig sicher bleibt. Strausberg ist das größte Verbandsmitglied. Wir entscheiden nicht allein, haben aber Gewicht. Dieses Gewicht werde ich für unsere Interessen nutzen.

15. Wo sehen Sie Strausberg in 8 Jahren?
Strausberg bleibt Strausberg. Es sieht gepflegt und lebendig aus. Und hier ist wieder was los.


04.09.2026, Strausberg





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