Robert Krause - 04.09.2026

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Robert Krause
Fragen und Antworten

Bild:© Melanie Campe


1. Was haben Sie für die ersten 100 Tage nach Amtsantritt auf Ihrer Agenda, was wollen Sie direkt auf den Weg bringen?
Ich kenne Verwaltung, Fachbereichsleitungen und viele laufende Vorgänge aus 18 Jahren kommunalpolitischer Ausschussarbeit. Deshalb brauche ich keine hundert Tage zum Kennenlernen. Wir können sofort loslegen – und wir müssen es auch, denn es gibt sehr viel zu tun.

Nach außen müssen die Beziehungen zu den Bürgermeistern der WSE-Verbandsgemeinden dringend wiederbelebt werden, um die Grundlage für einen Austausch über den Wasserhaushalt zu schaffen.

Auch in Strausberg stehen eine ganze Reihe von Themen an. Nehmen wir allein den Bereich Ordnung, Brand- und Katastrophenschutz:

1. Sauberkeit und Ordnung: Illegale Sperrmüllablagerungen müssen schneller verschwinden. Hannover zeigt beispielsweise, wie kostenlose reguläre Sperrmüllabholung, einfache Meldemöglichkeiten und schnelle Beseitigung illegaler Ablagerungen zusammenspielen können. Wir sollten prüfen, was davon auf Strausberg und den Landkreis übertragbar ist.

2. Feuerwehr in der Vorstadt: Die Gefahren- und Risikoanalyse sowie der darauf aufbauende Gefahrenabwehrbedarfsplan müssen zügig abgeschlossen werden. Sie bilden die Grundlage für Schutzziele, Personal, Technik und Standorte unserer Feuerwehr. Dabei müssen wir belastbar beantworten, wie während der mehrjährigen Bauarbeiten an der Berliner Straße die vorgesehenen Hilfsfristen gewährleistet werden. Brauchen wir einen zusätzlichen Feuerwehrstandort in der Vorstadt? Oder kann eine verbindlich geregelte Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Eggersdorf Teil der Lösung sein? Diese Fragen werde ich zeitnah entscheiden.

3. THW: Ich führe bereits Gespräche mit Landkreis und THW über einen zusätzlichen Standort in Strausberg. Als Bürgermeister werde ich daraus ein konkretes Ansiedlungsprojekt machen. Ein THW-Standort stärkt unseren Katastrophenschutz und bringt mit der THW-Jugend zugleich ein zusätzliches Angebot für Kinder und Jugendliche.

4. Katastrophenschutz-Leuchttürme: Strausberg verfügt über zwei solcher Anlaufstellen und die Grundausstattung wurde getestet. Eine vollständige Einsatzübung hat jedoch noch nicht stattgefunden. Aktivierung, Besetzung, Kommunikation und die Zusammenarbeit mit Landkreis und Rettungskräften müssen konzeptionell komplett durchdacht und unter realistischen Bedingungen erprobt werden. Denn im Ernstfall reicht es nicht, dass Technik vorhanden ist – alle Abläufe müssen zuverlässig ineinandergreifen.

Das sind nur vier Themen aus einem von drei Fachbereichen. Es gibt sehr viel zu tun. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Lassen Sie mich loslegen.



2. Die Hauptaufgabe ist es, die Stadtverwaltung mit rund 350 Angestellten zu leiten. Was qualifiziert Sie dazu?
Die Größenordnung ist neu, die Führungsaufgabe nicht. Ich arbeite seit 18 Jahren mit unserer Verwaltung und den Fachbereichen Finanzen, Bürgerdienste und Technische Dienste im Rahmen meines kommunalpolitischen Engagements eng und auf Augenhöhe zusammen. Hinzu kommen fast 18 Jahre Verantwortung in den Aufsichtsräten unserer kommunalen Unternehmen. Seit fast 14 Jahren trage ich Personal- und Budgetverantwortung, seit mehr als acht Jahren als Geschäftsführer. Dabei habe ich gelernt: Veränderungen gelingen nicht allein durch Vorgaben. Gute Führung braucht klare Ziele, verlässliche Entscheidungen und Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen und ihre Erfahrung einbringen können.

Ich kenne damit wirtschaftliche Führung, politische Entscheidungswege, unsere Stadtverwaltung und auch die Gesellschaften des Strausberger Stadtkonzerns aus eigener Praxis. Diese unterschiedlichen Erfahrungen bringe ich in die Leitung der Verwaltung ein.

3. Wo setzen Sie Ihre Prioritäten bei der Stadtinnenentwicklung, ohne den Wasserhaushalt des Straussees weiter zu gefährden?
Ich halte wenig davon, jede Entwicklung unserer Innenstadt gegen den Wasserhaushalt des Straussees auszuspielen. Der größere Hebel für eine spürbare Entlastung liegt in einer Kooperation des WSE mit einem benachbarten Wasserverband, um die Wasserförderung bei uns zu verringern. Solche Verbundlösungen werden andernorts bereits praktiziert. Ich werde sie auch für Strausberg ernsthaft prüfen lassen.

Eine solche Kooperation ersetzt aber nicht unsere eigene Verantwortung für einen besseren Umgang mit Niederschlagswasser. Das Prinzip der Schwammstadt muss auch in der dicht bebauten Altstadt unser Maßstab sein. Regenwasser soll möglichst vor Ort zurückgehalten, gespeichert, genutzt oder versickert werden. Wo Dachwasser mangels unversiegelter Flächen nicht versickern kann und heute teilweise über Gehwege in Straßenabläufe gelangt, möchte ich eine Alternative prüfen lassen: unbelastetes Dachwasser getrennt sammeln und unter Beachtung des Gewässerschutzes gezielt dem Straussee zuführen.

Wenn die Altstadt im Zuge der Wärmewende an das Fernwärmenetz angeschlossen wird, setze ich mich dafür ein, dass wir die erforderlichen Tiefbauarbeiten mit der Neuordnung der Niederschlagswasserableitung verbinden. So müssen Straßen möglichst nur einmal aufgerissen werden. Das spart Aufwand und Kosten.

Bei der Stadtentwicklung sehe ich mehrere konkrete Schwerpunkte: Die seit Jahren brachliegenden Eingangsbereiche der Großen Straße am Tamax-Areal und bei Bäcker Hennig müssen endlich entwickelt werden. Das Stadthaus braucht einen Frequenzbringer – beispielsweise das Stadtmuseum sowie Stadt- und Touristinformation. Am Markt möchte ich die Aufenthaltsqualität erhöhen. Da die nach der Sanierung gepflanzten Bäume noch nicht ausreichend Schatten spenden, brauchen wir dort ergänzende, mit dem Denkmalschutz vereinbare Lösungen.

Weitere Chancen bieten der Bildungscampus rund um die Energie-Arena mit dem zweiten Gymnasium, dem OSZ und der erweiterten Anne-Frank-Oberschule sowie die Entwicklung der noch brachliegenden Grundstücke an unseren neugestalteten Bahnhofsumfeldern.

4. Wie wollen Sie die Parkplatzprobleme in den großen Wohnarealen lösen?
Im Bestand ist es schwierig, zusätzliche Stellplätze zu schaffen. Bei der anstehenden umfassenden Sanierung ihrer Bestände in Hegermühle werde ich darauf achten, dass die SWG den aktuellen Parkplatzbedarf von Anfang an berücksichtigt.

Wo ebenerdig kaum noch Platz besteht, sollten wir vorhandene Parkflächen besser nutzen. Für mich muss ein zweites Parkdeck am Kulturpark ernsthaft geprüft werden. Eine teilweise oder zeitweise Bewirtschaftung könnte zur Finanzierung beitragen.

Bei Neubauten dürfen bestehende Parkplatzengpässe nicht weiter verschärft werden. In der Badstraße wurde einer Stellplatzablöse zugestimmt, obwohl die damalige Satzung die tatsächlichen Herstellungskosten bei Weitem nicht mehr abbildete. Die Satzung wurde mittlerweile überarbeitet und ich habe durchgesetzt, dass die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister bei künftigen Ablösen den Hauptausschuss beteiligen muss. So werden solche Entscheidungen transparent und nicht mehr im Alleingang getroffen.

Die seit Ende Juni geltende Brandenburgische Bauordnung macht die Aufgabe zusätzlich schwieriger: Kommunen dürfen bei Neubauten höchstens einen notwendigen Stellplatz je Wohnung verlangen – unabhängig von deren Größe. Das weicht von unserer aktuellen Stellplatzsatzung ab. Deshalb müssen wir gerade bei Nachverdichtungen die Stellplatzfrage frühzeitig klären und alle rechtlich zulässigen Planungs- und Verhandlungsmöglichkeiten ausschöpfen. Sonst verschärfen Neubauten die Parkplatzprobleme im Bestand.

5. Mit welcher Strategie wollen Sie die Entwicklung der Gewerbebetriebe vorantreiben?
Als langjähriger Geschäftsführer in der freien Wirtschaft kenne ich unternehmerische Entscheidungsprozesse aus eigener Praxis. Ein Bürgermeister, der die Sprache der Wirtschaft spricht und Geschäftsmodelle beurteilen kann, kann das Gesprächsklima mit ansässigen Unternehmen und potenziellen Investoren verbessern und Strausberg als Wirtschaftsstandort glaubwürdig vertreten.

Strausberg braucht außerdem eine systematische Überprüfung unseres Flächennutzungsplans mit konkreten Konsequenzen: Wie werden vorhandene Gewerbeflächen genutzt, welche Reserven bestehen und wo können zusätzliche Flächen entstehen, ohne Verkehrsinfrastruktur und Wasserhaushalt unangemessen zu belasten? Vereinbarte Bauverpflichtungen müssen konsequent nachgehalten werden, damit erschlossene Grundstücke nicht jahrelang brachliegen.

Eine besondere Chance bietet das geplante Innovationszentrum Luftfahrt (IZL) am Strausberger Flugplatz. Auch wenn der Landkreis Träger des Projekts ist, darf Strausberg nicht als Zuschauer danebenstehen. Die Stadt muss das IZL in ihre eigene Wirtschaftsentwicklung einbinden, angrenzende Flächen und notwendige Infrastruktur vorausschauend entwickeln und gezielt um ergänzende Unternehmen werben. So entstehen aus einer Investition des Landkreises zusätzliche Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Gewerbesteuereinnahmen für Strausberg.

Bei Ansiedlungen setze ich mich für transparente und einheitliche Kriterien ein, beispielsweise Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Gewerbesteuer sowie Flächen-, Verkehrs- und Wasserbedarf. In der Vergangenheit wurden Vorhaben mit unterschiedlichen Maßstäben abgelehnt und anschließend andernorts verwirklicht, während die dafür vorgesehenen Grundstücke ungenutzt blieben. Künftig müssen solche Entscheidungen nachvollziehbar und nach einheitlichen Maßstäben getroffen werden.

Ich werde die Verwaltung effizient organisieren, um die städtischen Ausgaben im Griff zu behalten und damit die Voraussetzungen für stabile Gewerbesteuersätze zu schaffen.

6. Wo sehen Sie bei der Elektromobilität Handlungsbedarf?
Elektromobilität braucht passende Lösungen für unterschiedliche Standorte. Schnelllader gehören dorthin, wo Menschen ohnehin nur kurz parken – etwa an Supermärkten, Ärztehäusern oder zentralen Einkaufsstandorten. Mit dem gut angenommenen Schnelllader am Edeka im Handelscentrum und dem Standort in der Müncheberger Straße verfolgen die Stadtwerke diesen Ansatz bereits. Als Vorsitzender ihres Aufsichtsrats begleite ich dieses Engagement; als Bürgermeister und Gesellschaftervertreter werde ich mich für dessen gezielten Ausbau einsetzen.

Der größte Handlungsbedarf besteht in den Wohnquartieren. Eigenheimbesitzer können meist zu Hause laden, Mieterinnen und Mieter in großen Mehrfamilienhäusern häufig nicht. Die Stadtverordnetenversammlung hat jüngst beschlossen, dass geprüft wird, ob Ladebordsteine in Strausberg realisierbar sind. Bei einem positiven Ergebnis sollte gemeinsam mit den Stadtwerken und den Wohnungsunternehmen zügig ein Pilotprojekt folgen.

Aus meiner vorangegangenen Tätigkeit als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Strausberger Wohnungsbaugesellschaft weiß ich, dass beim Ausbau von Parkplätzen im Bestand die Voraussetzungen für spätere Ladepunkte bereits berücksichtigt wurden. Das muss bei neuen oder grundlegend erneuerten Parkflächen Standard sein – auch bei einem möglichen zweiten Parkdeck am Kulturpark.

Für Pendlerparkplätze eignen sich wegen der langen Standzeiten eher kostengünstige Normalladepunkte mit intelligentem Lastmanagement. Einen sofortigen Umbau erst kürzlich erneuerter Anlagen halte ich nicht für sinnvoll. Werden sie künftig erneut grundlegend umgebaut, müssen Leitungsinfrastruktur und Netzkapazitäten von Anfang an mitgeplant und Ladepunkte bedarfsgerecht ergänzt werden.



7. Wie wollen Sie die Stadtverwaltung reformieren, damit sie weiterhin bürgernah und doch digitaler fungiert?
Bürgernähe und Digitalisierung sind kein Gegensatz. Eine moderne Verwaltung braucht aber mehr als neue Software: Klare Prozesse, passende Strukturen und eine gemeinsame Arbeitskultur sind die Grundlage, um leistungsfähiger zu werden.

Bei allem, was ich hinsichtlich der Verwaltungsmodernisierung unternehmen werde, steht das Wohl der Strausberger Bürger im Fokus.

Das Strausberger Verwaltungsleitbild stammt aus dem Jahr 2009 und hat seitdem bei Personalgewinnung und -entwicklung kaum eine erkennbare Rolle gespielt. Das werde ich ändern. Denn ein gemeinsames Selbstverständnis gibt gerade neuen Beschäftigten Orientierung. Ziele und Ergebnisse müssen messbarer werden; zugleich gehören Zusammenarbeit, Verantwortungsübernahme und das Verhalten im Miteinander in regelmäßigen 1:1-Gespräche zwischen Führungskräften und Beschäftigten angesprochen.

Zusätzlich möchte ich ein Organisationsgutachten erstellen lassen, um Aufgaben, Strukturen und Ressourceneinsatz zu untersuchen und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Entscheidend ist dabei eine einfache Rechnung: Wie häufig läuft ein Vorgang und wie viel Aufwand verursacht er? Wo beides hoch ist, liegen die größten Potenziale für Vereinfachung, Digitalisierung, Automatisierung und den Einsatz von KI. Erst wird der Prozess verbessert, dann digitalisiert.

Für die Bürger müssen daraus kürzere Bearbeitungszeiten, transparente Verfahrensstände und möglichst durchgängig digitale Leistungen entstehen. Wer persönliche Unterstützung benötigt, muss sie weiterhin bekommen.

Einige Verbesserungen können sofort wirken. Der Umbau von Organisation, Technik und Kultur ist jedoch ein Transformationsprozess, der bis zu 15 Jahre beanspruchen kann. Ich bewerbe mich für diese Amtsperiode, denke aber über sie hinaus: Wir müssen jetzt eine klare Richtung festlegen und sie über Jahre konsequent verfolgen.

8. Steigende Personal-, Planungs- und Baukosten: Wie ist Ihre Strategie?
Im Haushaltsplan 2026 liegen die ordentlichen Aufwendungen rund 1,7 Millionen Euro über den ordentlichen Erträgen. Preissteigerungen bei Bau, Energie und externen Leistungen können wir nur begrenzt beeinflussen. Sie dürfen aber nicht automatisch in Steuer- und Gebührenerhöhungen münden. Bevor Bürger und Unternehmen stärker belastet werden, werde ich als Bürgermeister die Einsparpotenziale der Stadt nutzen.

Dazu müssen wir interne Prozesskosten senken und das vorhandene Personal wirksamer einsetzen. Das Ziel ist eine gezielte Verlagerung von Kapazitäten dorthin, wo Aufgaben anwachsen oder der Nutzen für die Bürger am größten ist. Frei werdende Stellen dürfen deshalb nicht automatisch unverändert nachbesetzt werden.

Bei Sach- und Baukosten müssen wir Standards und bisherige Ansätze konsequent hinterfragen: Muss das so? Geht es einfacher? Gibt es eine bewährte Standardlösung statt einer teuren Sonderanfertigung? Und ist Eigenleistung, Einkauf oder die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen wirtschaftlicher? Entscheidend ist die einfachste Lösung, die Zweck, Sicherheit, Dauerhaftigkeit und Folgekosten überzeugend abdeckt.

Investitionen brauchen von Beginn an einen klar definierten Bedarf, eine Kostenobergrenze, einen realistischen Terminplan sowie einen Blick auf Folgekosten und Fördermöglichkeiten. Ändern sich die Rahmenbedingungen, muss auch der Projektumfang angepasst werden können. Eine stärkere Einnahmebasis ist meiner Erfahrung nach wichtig, ersetzt Ausgabendisziplin aber nicht.

9. Wie wollen Sie auf eine älter werdende Bevölkerung, Pflegebedarf und fehlende Fachärzte reagieren?
Ein Bürgermeister kann weder Kassensitze vergeben noch Fachärzte einstellen. Die Stadt kann aber Versorgungslücken frühzeitig erkennen und die Ansiedlung oder Nachfolge einer Praxis erleichtern. Als Bürgermeister werde ich einen regelmäßigen Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Landkreis, dem Krankenhaus, dem MVZ und den ansässigen Ärzten auf den Weg bringen.

Besonderer Handlungsbedarf besteht bei der dermatologischen Versorgung.

Wenn der von mir unterstützte Umzug des Stadtmuseums sowie Stadt- und Tourismusinformation ins Stadthaus erfolgt, wird die bisherige, bereits barrierefrei ausgebaute Museumsimmobilie frei. Ich möchte prüfen lassen, ob sie sich als Arztpraxis eignet. Im Rahmen eines transparenten und rechtssicheren Ansiedlungsmodells könnte die Stadt einem dringend benötigten Facharzt mit günstigen Einstiegskonditionen entgegenkommen. Räume schaffen noch keinen Kassensitz, können bei einer Ansiedlungsentscheidung aber den Ausschlag geben.

Auch der Krankenhausstandort Strausberg muss dauerhaft erhalten bleiben. Die Verantwortung liegt primär beim Landkreis. Die beschlossene Investition von 5,35 Millionen Euro in den Zentral-OP ist ein wichtiges Signal. Als Bürgermeister werde ich darauf drängen, dass Strausberg langfristig eine tragfähige Rolle im Krankenhausverbund behält.

Unmittelbar handeln müssen wir beim Hitzeschutz. Gerade ältere und pflegebedürftige Menschen können durch anhaltende Hitze gesundheitlichen Schaden nehmen. Seit Jahren wird zwischen Stadt und Landkreis über Zuständigkeiten gesprochen. Ich will drei Dinge konkret angehen: ein freiwilliges Hitzeregister nach französischem Vorbild, damit besonders gefährdete Menschen bei Hitzealarm aktiv kontaktiert werden können; öffentliche Kühlräume während Hitzewellen – bei Neubauten wie der Sporthalle der Anne-Frank-Oberschule sollten Kühlung und Photovoltaik von Anfang an gemeinsam geplant werden; und gemeinsam mit unseren Pflegeeinrichtungen will ich klären, wie ausreichend gekühlte Aufenthaltsbereiche geschaffen werden können.

10. Geburtsklinik geschlossen, Kita geschlossen: Was wollen Sie unternehmen, damit sich diese Entwicklung umkehrt?
Die Schließung der Geburtsstation berührt mich persönlich: Ich bin dort geboren und auch meine Frau hat dort entbunden. Ein Bürgermeister kann eine Geburtsstation jedoch nicht per Beschluss wiedereröffnen. Ob Familien nach Strausberg kommen und bleiben, entscheidet sich nicht im Kreißsaal, sondern im Alltag. Dort hat die Stadt Handlungsspielraum.

Ich werde mich als Bürgermeister dafür einsetzen, dass unser vielfältiges Angebot an Kitas und Schulen, das möglichst zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist, bestehen bleibt. Damit diese Einrichtungen dauerhaft ausgelastet bleiben, müssen wir die Kinderzahlen stabilisieren. Dazu braucht es bezahlbaren und ausreichend großen Wohnraum – für manche Familien auch das Einfamilienhaus mit Garten.

Familienfreundlichkeit endet nicht am Schultor. Gute Hortangebote, eine vielfältige Vereinslandschaft sowie Angebote wie der Aktivspielplatz und Jugendclubs sind für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern wichtig. Als Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Jugend, Kultur, Sport und Soziales habe ich die Arbeitsgruppe zur Überarbeitung der Sportförderrichtlinie geleitet. Vereine mit einem Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit werden nun stärker gefördert.

Als Vater von drei Kindern weiß ich, wie wichtig passende Angebote gerade zwischen zehn und 16 Jahren sind: zu groß für viele Spielplätze, aber noch zu klein für die Angebote der Erwachsenen. Meine Fraktion hat deshalb einen überdachten Treffpunkt im Freien für Jugendliche durchgesetzt. Der Beschluss ist bis heute nicht umgesetzt – als Bürgermeister werde ich für die Umsetzung sorgen.

Zusätzlich möchte ich ein für alle offenes, parteipolitisch neutrales Jugendclubangebot mit einem technischen Schwerpunkt schaffen. Der Jugendclub in Petershagen zeigt mit Programmieren, Elektronik, 3D-Druck und Amateurfunk, wie Jugendliche für eigenes Gestalten begeistert werden können. Auch kleine, robuste BMX- und Skateranlagen sollten in größeren Wohngebieten keine Ausnahme sein.

11. Wie kann die Stadt Strausberg Mehreinnahmen generieren?
Als ehemaliger Vorsitzender des Ausschusses für Finanzen und Wirtschaft, den ich mehrere Jahre lang geleitet habe, stelle ich zunächst infrage, ob Strausberg zwingend höhere Einnahmen braucht. Für den Haushalt zählt die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Jeder Euro, den die Stadt dauerhaft nicht ausgeben muss, schafft ebenso finanziellen Spielraum wie ein zusätzlicher Euro an Einnahmen – ohne Bürger oder Unternehmen stärker zu belasten.

Zusätzliche Einnahmen möchte ich in erster Linie über die Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis erzielen: vorhandene Gewerbeflächen aktivieren, ansässigen Unternehmen Entwicklung ermöglichen und passende Betriebe gewinnen. So kann das Gewerbesteueraufkommen auch bei stabilem Hebesatz wachsen. Eine stabile oder leicht wachsende Einwohnerzahl trägt ebenfalls dazu bei, vorhandene Infrastruktur besser auszulasten und die kommunale Finanzierungsbasis zu sichern.

Hinzu kommen die effektive Bewirtschaftung städtischer Flächen und Immobilien sowie die konsequente Ausschöpfung von Fördermitteln und Erstattungsansprüchen.

Wenn es den ansässigen Unternehmen wirtschaftlich gut geht, profitieren davon die Stadt, ihre Bewohner, die Vereine und damit das gesellschaftliche Zusammenleben.

12. Welche freiwilligen Leistungen besitzen für Sie Priorität?
Für mich sind die über vier Millionen Euro, die Strausberg jährlich für freiwillige Leistungen aufwendet, kein verzichtbarer Luxus, sondern ein Zeichen der finanziellen Leistungsfähigkeit und gleichzeitig der Kitt unserer Stadtgesellschaft. Sie schaffen Orte der Begegnung und des Austauschs, fördern den Zusammenhalt und machen Strausberg lebenswert.

Priorität haben für mich Einrichtungen, die vielen Menschen offenstehen, beispielsweise unsere Bibliothek und die Schwimmhalle. Ebenso wichtig ist die Unterstützung des Vereins- und Breitensports, insbesondere durch die mietfreie Bereitstellung der kommunalen Sportanlagen und -hallen.

Auch die Förderung von Personalstellen und Projekten in der Kinder-, Jugend- und Sozialarbeit auf Basis einer fortgeschriebenen Bedarfsanalyse gehört für mich dazu.

Ich setze mich dafür ein, dass neben sportlichen Traditionsveranstaltungen wie dem Strausseeschwimmen, dem Strausseelauf oder dem Radrennen „Rund um Strausberg“ auch kulturelle Veranstaltungen wie die des Kindertanztheaters weiterhin unterstützt werden. Gleichzeitig müssen neue Formate eine Chance bekommen. Der in diesem Jahr erstmals erfolgreich durchgeführte „Tanz in den Mai“ zeigt, dass sich dieser Mut lohnt. Eine weitere Idee wäre eine Schlittschuhbahn zur Adventszeit. Die Stadt kann solche Angebote anschieben und anschließend prüfen, ob sie angenommen werden und wie sie dauerhaft organisiert und getragen werden können.

Mein Grundsatz lautet: Gutes bewahren und weiterentwickeln, Neues ausprobieren.


13. Wie wollen Sie die Kommunalpolitik wieder hinter der Rathausspitze vereinen?
Mein Ziel ist es, Strausberg gemeinsam mit den Stadtverordneten weiterzuentwickeln.

Entscheidend für eine zielführende und vor allem zeit -und kostensparende Zusammenarbeit sind gegenseitiger Respekt, frühzeitige Information und Verlässlichkeit.

Dafür bringe ich beste Voraussetzungen mit: Ich bin der Kandidat aus der Mitte der Stadtverordnetenversammlung. Als langjähriger Stadtverordneter und Ausschussvorsitzender habe ich über viele Jahre immer mit den Stadtverordnetenkollegen vertrauensvoll und konstruktiv zusammengearbeitet und stabile Beziehungen aufgebaut. Dass Mitglieder mehrerer Fraktionen meine Kandidatur unterstützen, zeigt, dass dieses Vertrauen über Fraktions- und Parteigrenzen hinweg besteht.

Mein Ziel ist es, Strausberg gemeinsam mit den Stadtverordneten weiterzuentwickeln.

14. Welche Strategie verfolgen Sie bezüglich des WSE und der Mitgliederversammlung?
Für mich besitzt die Sicherung des Strausberger Wasserhaushaltes Priorität.

Aber Strausberg wird seine Interessen im WSE nur gemeinsam mit den anderen Mitgliedskommunen durchsetzen. Diese Zusammenarbeit hat in den vergangenen Jahren gelitten; die ehemalige Amtsinhaberin stand in der Verbandsversammlung zu oft isoliert da.

Zu vielen Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden pflege ich seit Jahren gute Kontakte. Darauf werde ich aufbauen und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe wiederbeleben.

Die unterschiedliche Interessenlage im Status quo muss aber klar benannt werden:

Die Wasserwerke Strausberg, Spitzmühle und Eggersdorf greifen auf das Grundwassersystem zurück, aus dem sich auch der Straussee speist. Das geförderte Wasser wird jedoch im gesamten Verbandsgebiet verbraucht, während die Folgen des angespannten Wasserhaushalts am Straussee besonders sichtbar werden.

Ich werde zusätzliche Bezugsoptionen aus benachbarten Verbandsgebieten nachgehen und auch die Zuleitung aus dem Kriensee erneut prüfen lassen, denn mit Wassersparen allein werden wir unser Ziel nicht erreichen. In diesem Zusammenhang möchte ich untersuchen lassen, ob sich eine solche Zuleitung abschnittsweise mit der geplanten Fernwärmeverbindung zur Nutzung der Abwärme aus dem IKW Rüdersdorf verbinden lässt – etwa durch gemeinsam genutzte Korridore sowie gebündelte Planungs- oder Tiefbauarbeiten. So könnten Kosten gespart werden.

Zusammengefasst lautet meine Strategie für den WSE: Beziehungen erneuern, Transparenz schaffen, Interessen ausgleichen und gemeinsam zusätzliche Wasserressourcen erschließen.

15. Wo sehen Sie Strausberg in acht Jahren?
In acht Jahren sollen die Bürger Strausbergs positive Veränderungen in der ganzen Stadt sehen und erleben können.

Wer an unseren Bahnhöfen ankommt, trifft auf entwickelte und einladende Bahnhofsumfelder, die Lust darauf machen, Strausberg zu entdecken. Die Schandflecken an den Eingängen zur Altstadt sind verschwunden und die Baulücken in der Großen Straße geschlossen. Das Stadtmuseum mit Stadt- und Tourismusinformation macht das Stadthaus zu einem Anlaufpunkt für Besucher und Einheimische. Am Markt gibt es mehr Schatten und eine höhere Aufenthaltsqualität, Es ist ein lebendiger Ort der Begegnung.

Der Wasserstand des Straussees konnte stabilisiert werden. Rund um die Energie-Arena ist ein moderner Bildungscampus entstanden, der jungen Menschen gute Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Unsere kommunalen Unternehmen sichern bezahlbares Wohnen, eine zukunftsfähige Energieversorgung und verlässliche Mobilität.

Hinter diesen sichtbaren Veränderungen steht eine Stadtverwaltung mit einer positiven Arbeitskultur. Sie ist ein attraktiver Arbeitgeber, nutzt digitale Werkzeuge und künstliche Intelligenz durchdacht und überzeugt die Bürger durch Service, Verlässlichkeit und Leistung.

Ich sehe eine Stadtgesellschaft, die fair miteinander umgeht und gemeinsam feiert. Vereine, Kultur, Sport sowie Kinder-, Jugend- und Sozialarbeit schaffen Zusammenhalt. Bewährte Veranstaltungen werden erhalten und neue Formate sind zu festen Bestandteilen des Stadtlebens geworden.

Viele der angesprochenen Veränderungen müssen sofort angegangen werden, lassen sich aber nicht innerhalb weniger Jahre abschließen. Für die Langstrecke braucht es Energie, Ausdauer und die Fähigkeit, aus Plänen Ergebnisse zu machen. Denn am Ende entscheidet Eignung.


04.09.2026, Strausberg





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