Geheimakte Untergrund
Warum Strausbergs Bunker heute Europa fasziniert
Es gibt Orte, die ihre Geheimnisse tief unter der Erde hüten. Einer davon ist der ehemalige Postbunker in der Garzauer Straße in Strausberg. Am Samstag, den 21. März 2026 öffneten sich die massiven Stahltüren für ein Ereignis von europäischer Tragweite: Der Bund Deutscher Baumeister (BDB) und die europäische Kulturroute FORTE CULTURA luden zum Seminar ein. Experten aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Ukraine kamen zusammen, um über die Zukunft unseres in Beton gegossenen Erbes auszutauschen.
Milliarden für den Schutz – und dann die Flucht
Dass Bunkerbauwerke manchmal mehr über die Psychologie ihrer Bauherren verraten als über militärische Logik, zeigte ein Beispiel aus Italien. Der riesige „Monte Soratte Bunker“ nördlich von Rom wurde unter Mussolini für astronomische Summen – umgerechnet Milliardenbeträge – in den Fels getrieben. Er sollte das Herz der Macht schützen. Doch als der Ernstfall 1943 tatsächlich eintrat, passierte das Unvorstellbare: Der Bauherr ignorierte sein „unbezwingbares“ Versteck und versuchte stattdessen, in Richtung Schweiz zu fliehen.
Auch in Deutschland wurde für den Ernstfall nicht gespart. Die Teilnehmer erfuhren Erstaunliches über den Bundesbankbunker in Cochem, wo in den 60er Jahren rund 15 Milliarden DM einer geheimen Ersatzwährung lagerten. Nur 14 Tage hätte die Bundesbank gebraucht, um im Krisenfall das gesamte Bargeld in Deutschland auszutauschen und die Währung stabil zu halten.
Strausbergs Rekord: 199 Räume und der längste Tunnel Europas
Während viele Bunker nach der Wende versiegelt oder ausgeschlachtet wurden, setzt Strausberg ein Zeichen der Hoffnung. Mit seinen 199 Räumen und einem fast 600 Meter langen Galerietunnel – einem der längsten seiner Art in ganz Europa – ist die Anlage ein Baudenkmal von internationalem Rang. Nach 20 Jahren Nichtnutzung erwacht der Koloss unter der Regie von Martin Kaule nun zu neuem Leben.
Das Ziel ist klar definiert: Der Bunker soll ein offizieller, außerschulischer Lernort für Schulklassen und ein Mahnmal für den Frieden werden. Rund 100.000 Euro fließen in die erste Zwischennutzung. Die Weichen sind gestellt: Sobald der Bauantrag final bestätigt ist, wird es mit den ersten regelmäßigen Rundgängen für die Öffentlichkeit losgehen - vorraussichtlich schon ab Herbst diesen Jahres.
Ein Blick hinter die Kulissen: Technik, Kunst und Zeitgeist
Die begleitenden Aufnahmen der Veranstaltung (siehe unten) fangen den besonderen Charme dieses Ortes ein. Sie zeigen den spannenden Kontrast, der den Kulturbunker heute ausmacht: In den tiefen Ebenen finden sich noch immer rein technische Räume mit massiven Aggregaten und Filtern, die von der einstigen Telekommunikationssytruktur Bestimmung zeugen.
Gleichzeitig hat die Transformation bereits begonnen. Einige Räume sind heute mit modernen Wandkunstwerken gefüllt, die dem grauen Beton neues Leben einhauchen. Wieder andere Ecken des Bunkers erzählen mit ihren verbliebenen Dekorationen von früheren Partys und Feiern der vergangenen Jahre – eine ganz eigene Schicht der Geschichte, die zeigt, wie sich die Menschen diesen Raum bereits angeeignet haben.
Ein Kompass in unsicheren Zeiten
Natürlich stellt sich in der aktuellen Weltlage auch in Strausberg wieder die Frage nach Schutzräumen. Das Seminar machte jedoch deutlich, dass Anlagen wie der Kulturbunker heute vor allem eine andere Schutzfunktion haben: Sie bewahren das Wissen über die Geschichte.
Anstatt den Bunker nur als dunkles Loch im Boden zu sehen, bekommt Strausberg hier eine zusätzliche Fläche für Kultur und Bildung. Wo früher die DDR-Post ihre Leitungen sicherte, entsteht jetzt ein Raum für Begegnungen. Es ist ein bodenständiger Versuch, aus einem schwierigen Erbe etwas Sinnvolles für die Stadt zu machen.
Fotos: Tony Ettelt-Brundiers
Wann: 21.03.2026
Bunker Garzauer Straße,
Strausberg
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