Auf dem höchsten Berg Europas - 20.08.2008

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Auf dem höchsten Berg Europas
Strausberger Dietmar Kuhl berichtet über seinen Aufstieg zum Elbrus
Im normalen Leben eher unscheinbar, geht er jeden Tag zur Arbeit und kümmert sich um die Fahrzeuge anderer Menschen. Doch sein Hobby ist außergewöhnlich. Dietmar Kuhl aus Strausberg bezwingt gewaltige Gipfel, wo auch immer auf dieser Welt. In Nepal, Ecuador oder in den Alpen, da fühlt er sich wohl.

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An der Grenze Asiens, eingerahmt zwischen Schwarzem- und Kaspischem Meer, steht der König des Kaukasus, der Elbrus. Was viele Menschen nicht wissen, mit seiner Höhe von 5.642 m, ist er der höchste Berg Europas. Er ist das Ziel vieler Bergsteiger aus aller Welt, da er zu den Seven Summits gehört. Der erloschene Vulkan Elbrus besitzt zwei Gipfel, den Westgipfel mit 5.642 m und den Ostgipfel mit 5.621 m.

Mein Ziel war es den Westgipfel in dieser einmaligen noch fast unberührten Natur- und Gebirgslandschaft zu besteigen. In Mineralny Vody angekommen ging es in einer fünfstündigen Busfahrt durch das wunderschöne Baksantal in den Ort Tscheget, am Fuße des Elbrus. Um in eine solche Höhe vordringen zu können, bedarf es einer sehr guten Akklimatisierung und Höhenanpassung. Deshalb waren dazu im Vorfeld, einige Wanderungen und Bergbesteigungen geplant. Bereits am nächsten Tag ging es von Tscheget aus, in ein landschaftlich herrliches Seitental. An einem Gebirgsfluss entlang, ging es bis auf 2.700 m Höhe. Den Abschluss des Tales, bildete ein ca. 300 m hoher Wasserfall. Am nächsten Tag stand die Besteigung des Tscheget mit 3.460 m an. Auf 2.700 m Höhe begann die anstrengende und lange Tour. Über steile Geröllfelder und einigen Schneefeldern wurde schließlich besseres Gehgelände erreicht. Die letzten 250 Höhenmeter zum Gipfel waren gut geschichtete Felsblöcke, die relativ leicht zu durchsteigen waren. Am Gipfel angekommen, gab es einen traumhaften Ausblick auf den Elbrus und den umliegenden Bergen. Dann erfolgte ein 1.400 m langer Abstieg ins Tal nach Tscheget.
Am nächsten Tag stand die sehr lange und sehr schwierige Besteigung des Pik Felsentigers an. Die Tour begann auf 1.900 m, wobei die ersten 500 Höhenmeter sehr steil und durch einen Wildwuchs aus verschiedenen Sträuchern und Bäumen bestand. Der Aufstieg bis 200 m unter den Gipfel ist ein ständiger Wechsel zwischen mäßig ansteigenden Schnee- und Eisfeldern, so wie extrem steilen Geröll- und Schuttpassagen. Danach erfolgte der Übergang ins reine Felsgelände, was absolute Trittsicherheit und Klettervermögen erforderte. Gegen 13.00 Uhr erreichten wir den Gipfel. Schönes Wetter mit ausgezeichneter Fernsicht entschädigte uns für den anstrengenden Aufstieg.
Am darauf folgenden Tag stand eine Höhenwanderung an der Grenze zu Georgien an. Leider konnten wir das Ziel, den Gletscher zu begehen, nicht erreichen, da dass russische Militär uns das weitergehen verweigerte. Zu allem Ärger, begleitete uns auch noch Regen bis ins Tal.
Am nächsten Morgen stand eine weitere lange Tour in das Irik-Tschat-Tal an. Bei 1.700 m begann die Tour, wobei die ersten 400 Höhenmeter sehr steil und anstrengend waren. Danach ging es mäßig ansteigend weiter, immer einem Gebirgsfluss folgend. Das ganze Tal gleicht einer Postkartenlandschaft von unbeschreiblicher Schönheit, immer mit Blick auf den Ostgipfel des Elbrus und vieler Gletscherfelder. Auf 2.700 m Höhe wurde schließlich ein riesiger Wasserfall erreicht, der in einen Gebirgsfluss mündet. Die Besteigung des Ledovaya baza, mit 3.683 m Höhe, war der nächste Programmpunkt zur Höhenanpassung. Zum Anfang geht es immer gleichmäßig bergan bis auf ca.3.000m, wo sich dann beide Elbrus-Gipfel in voller Schönheit zeigten. Dann mussten immer wieder steile und weite Schneefelder überwunden werden, die sich mit vielen Felspassagen abwechselten. Unterhalb des Gipfels musste noch einmal ein langes Schneefeld überwunden werden, bis dieser erreicht wurde. Von hier aus konnten wir recht deutlich einen Teil der Aufstiegsroute am Elbrus einsehen und uns mit Ihr vertraut machen. Endlich war es soweit, es ging zum Elbrus.

Im Seitental von Tscheget

Im Seitental von Tscheget

Aufstieg zum Tscheget

Tscheget Gipfel

Aufstieg zum Pik Felsentiger

Aufstieg zum Pik Felsentiger

Aufstieg zum Pik Felsentiger

Im lrik-Tschat-Tal

Im Irik-Tschat-Tal

Im Irik-Tschat-Tal

Im lrik- Tschat- Tal

Im Irik-Tschat-Tal

Elbrus

Aufstieg zur Ledovaya Basa

Aufstieg zur Ledovaya Basa

Die Botschki-Hütten

Elbrus

Bei der Höhenanpassung am Elbrus

Prijut 11

Kurze Rast unterhalb des Ostgipfel

Traverse unterhalb des Ostgipfel

Am Elbrussattel

Der Gipfel kommt in Sicht

Die letzten Meter zum Gipfel

Ich auf dem Gipfel des Elbrus

Abstieg ins Tal am nächsten Tag

Wir feiern unsern Gipfelerfolg

Meine Besteigungsurkunde

Das erste Ziel waren die Botschkis-Hütten, sie bestehen aus riesigen alten Ölfässern, die zu Unterkünften umgebaut wurden. Im Fass 6, verbringe ich den Rest des Tages, da viel Regen, Schnee und starker Wind alle Aktivitäten verhindert. Von diesen Hütten aus wurde die Höhenanpassung weiter voran getrieben.
Als erstes ging es auf der originalen Aufstiegsroute zum Elbrusgipfel bis auf 4.700 m zu den Pasturov Felsen. Auf dem steilen Gletscher und bei starker Sonneneinstrahlung waren dabei 1.000 m Höhenmeter zu überwinden. Am nächsten Morgen erfolgte der Aufstieg zur Prijut 11 Hütte auf 4.050 m, wo die letzten Vorbereitungen für den Gipfelgang zum Elbrus begannen. Der Gipfeltag begann morgens um 2.00 Uhr, mit dem Aufstieg zu den Pasturov Felsen. An der Prijut 11 beginnt leider ein großer Selbstbetrug vieler Bergsteiger, die den Elbrus besteigen wollen. Sie lassen sich gegen Endgeld mit einer Pistenraupe zu den Pasturov Felsen fahren, und sparen somit sehr viel Zeit und Kraft. Viermal donnerten die Pistenraupen mit Seilschaften auf dem steilen Gletscher an uns vorbei. Wir sind die einzigen an diesem Tag, die diese Hilfe nicht in Anspruch nahmen. Oberhalb der Pasturov Felsen nimmt der Gletscher nochmals an Steilheit zu, zudem nahm auch die Stärke des Westwindes immer weiter zu. Das Kälteempfinden wird dadurch immer größer, zum Glück habe ich bereits an der Prijut 11 eine Sturmhaube über mein Gesicht gezogen. Sicherheitshalber ziehe ich mir noch ein zweites Paar Handschuhe an. Der Elbrus ist bekannt für seine plötzlichen starken und kalten Winde. Unterhalb des Ostgipfels des Elbrus beginnt dann eine nicht enden wollende Traversierung zum Sattel zwischen Ost- und Westgipfel. Langsam ging die Sonne auf und der eisige Westwind ließ langsam nach. Am Sattel begann jetzt der schwierigste Teil der Besteigung. Eine extrem steile Schnee- und Eiswand von 350 m Höhe musste von uns von links nach rechts oben durchquert werden. Hierbei war volle Konzentration erforderlich, da jeder Schritt wohl überlegt sein musste und der Eispickel genauestens eingesetzt werden musste. Dann ein lauter Aufschrei, ein Bergsteiger, im Abstieg vom Gipfel, stürzt die steile Wand hinunter, nach 60 m kann er endlich seinen Fall bremsen. Langsam und sehr mühselig steigt er dann wieder in die Aufstiegsspur zurück. Nach dieser schweren Passage, steht eine kurze Pause an. Alles was jetzt nicht mehr nötig war, wurde in Rucksäcken verstaut und mit Eispickeln im Schnee fest gemacht. Es erfolgte danach ein weiterer langer Anstieg. Der Gipfel war immer noch nicht zu sehen, was die Moral nicht gerade positiv beeinflusste. Dann aber war es endlich so weit, der Blick streifte über ein riesiges Eis- und Schneefeld, an dessen Ende eine 50 m Hohe Pyramide stand, der Gipfel des Elbrus.
Kurz nach zwölf Uhr Mittags erreichten wir dann endlich den höchsten Punkt Europas. Zehn lange Stunden mit nur wenigen kurzen Pausen um einen Schluck Tee zu trinken und ein Stück Schokolade zu essen, hatte dieser Aufstieg gedauert. Wir blieben nicht sehr lange auf dem Gipfel, da es trotz Sonne kalt und windig war. Der Abstieg erfolgte über die Aufstiegsroute und ich hatte endlich die Möglichkeit das eine oder andere Foto zu machen. Ab 4.600 m wurde der Abstieg dann immer schwieriger, denn ich sank teilweise bis über die Knie in weichen Schnee ein. Um 17.00 Uhr ereichte ich nach 15 Stunden wieder Prijut 11.
Auf unseren Gipfelerfolg konnten wir erst 2 Tage später anstoßen, als wir wieder im Tal in Tscheget waren. Den Abschluss der Reise bildete eine Stadtbesichtigung von Pjatigorsk, bevor uns eine alte TU 154M wieder in Richtung Heimat flog.

Die Seven Summits
Zu den Seven Summits zählt man den jeweils höchsten Berg der sieben Kontinente. Es gilt als eine der größten Herausforderung für jeden Bergsteiger, alle sieben Gipfel zu besteigen.

1. Asien: Mount Everest 8848m
2. Südamerika : Aconcagua 6962m
3. Nordamerika : Mount Mc Kinley 6194m
4. Afrika: Kilimandscharo 5895m
5. Europa: Elbrus 5642m
6. Antarktis: Mount Vinson 4892m
7. Ozeanien: Carstensz-Pyramide 4884m bzw. Mount Kosciuszko 2228m

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Für Interessenten steht Dietmar Kuhl auch gern für einen Vortrag über seine Abenteuer als Bergsteiger zur Verfügung. Einfach eine Email an den Felsenbezwinger.

Wann: 20.08.2008


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