Auf dem höchsten Berg Spaniens - 15.12.2008

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Auf dem höchsten Berg Spaniens
Strausberger Dietmar Kuhl berichtet über seinen Aufstieg zum Pico del Teide
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Reiseberichte

Ziel meiner Wander- und Bergtour war dieses Mal die Kanareninsel Teneriffa, mit ihrer höchsten Erhebung, dem Pico del Teide mit 3.718 m Höhe. Die größte und vielfältigste der Kanarischen Inseln bietet eine Vielzahl von ausgedehnten Wanderungen sowie herrliche Bergtouren. In El Medino angekommen, ging es erst mal nach Puerto del la Cruz, was den Ausgangspunkt für die erste große Wanderung ins Anagebirge bildete. Dieses Gebirge erstreckt sich im Nordosten der Insel. Die Berghänge sind mit urtümlichen Nebelwald bewachsen, in dem sich die Wolken oft fangen, was zu feinsten Wassertropfen in der Luft führt. Im Erika-Lorbeer Urwald sind die Bäume üppig, mit Moosen und Flechten bewachsen, und es findet sich zu dem ein abwechslungsreicher Unterholzbewuchs an den Hängen des Gebirges.

Im Anagagebirge

Roque de Taborno

Im Anagagebirge

Nationalpark Las Canadas

Blick vom Caderrand zum Pico del Teide 3718 m

Pflanzenwelt im Nationalpark Las Canadas

Piedras Amarillas

Mondlandschaft

Am Ausgangspunkt für die Besteigung des Pico del Teide

Die Eier des Teide

Refugio del Altavista

Lavagestein oberhalb der Refugio de Altavista

Krater des Pico del Teide

Gipfel des Pico del Teide

Terrassenfelder bei Taucho

Pilotwale

Bucht vor der Masca-Schlucht

Mit einem kühnen Sprung geht es auf die Kaimauer

In der Masca-Schlucht

In der Masca-Schlucht

In der Masca-Schlucht

In der Masca-Schlucht

Ende der Masca-Schlucht

Ende der Masca-Schlucht

Masca

Ausgangspunkt für unsere erste Wanderung war der Aussichtspunkt Cruz del Carmen. Zuerst ging es in nordöstlicher Richtung, um später das Dorf Chinamada zu erreichen. Die Luft war extrem feucht und von Nebel durchdrungen und die tiefhängenden Wolken gaben nur selten den Blick auf den 706 m hohen Roque de Taborno frei. Der Roque de Taborno wird wegen seiner Form das Matterhorn Teneriffas genannt. Wenn die Wolkendecke aufriss, boten sich immer wieder atemberaubende Blicke auf die wilde und zerklüftete Küstenlandschaft und den sehr steilen Hängen mit ihren Terrassenfeldern. Pflanzenliebhaber kommen auf der gesamten Wanderung voll auf ihre Kosten.

Vom 600 m hoch gelegenen Dorf Chinamada erreichten wir innerhalb weniger Minuten eine Aussichtsplattform, von der aus wir einen fantastischen Blick auf die steile Felsküste und das Meer hatten. Um eine gewisse Höhenanpassung für die Besteigung des Pico del Teide zur erreichen, stand als nächstes eine Höhenwanderung am Calderarand im Nationalpark Las Canadas an, die uns bis auf eine Höhe von 2.500 m brachte. Mit Kälte, Wind, Regen und viel Nebel begann der erste Teil der Höhenwanderung am Calderarand. Gegen Mittag hatte der Wettergott endlich mit uns erbarmen und gab den Blick auf die wunderbare Landschaft frei. Es boten sich uns Anblicke, die in aller Welt ihresgleichen suchten. Steinerne Strukturen - das andschaftsbild, bizarr geformte Basaltstrukturen, erkaltete Lavaflüsse soweit das Auge reichte. Weite Bimssteinflächen und riesige Schlackehalden sind weitere Sehenswürdigkeiten der Canadas. Erstaunlich sind die vielen Farben, die Geröll und Gestein aufweisen. Die Palette reicht von Schwarz über Rotbraun bis hin zu türkis-grün. Darüber hinaus beherbergt der Nationalpark eine einzige Pflanzen- und Tierwelt, die ihr Leben zwischen dem Geröll und den Felsen führen. Immer wieder boten sich großartige Ausblicke auf das große Ziel unserer Reise den Pico del Teide. Am Guajara Pass angekommen, begann der lange Abstieg zum Parador. Der Weg bis dorthin führte vorbei an den Piedras Amarillas, jenen auffallenden bizarren gelben Felsentürmen, bis wir endlich das Tagesziel erreichten.

Das nächste Ziel war die Paisaja Lunar, auch Mondlandschaft genannt. Am frühen Morgen begann der lange Aufstieg zum Guajara Pass. Auf diesem angekommen, änderte sich das Wetter schlagartig, und dichte Nebelschwaden begleiteten uns beim Abstieg in die Mondlandschaft. Die Paisaja Lunar ist eine der interessantesten Naturwunder Teneriffas. Im Südhang des Guajara hatte das Regenwasser aus hellbeigen und weissen Bimssteinsschichten, die bei Vulkanausbrüchen abgelagert worden sind, Türme und Zinnen herausmoduliert. Durch den dichten Nebel konnten wir die gesamte Schönheit nur erahnen. Auf einer steinigen Forststraße führte uns ein Weg weiter hinunter nach Vilaflor, das auf 1.466 m liegt.

Endlich ist der große Tag gekommen, wir wollen den Pico del Teide mit seinen 3.717 m besteigen. Er ist der höchste Berg Spaniens und der drittgrößte Inselvulkan der Erde. Aus Naturschutzgründen ist ab der Bergstation eine Sondergenehmigung notwendig. Am Kontrollpunkt muss diese mit Personalausweis oder Reisepass vorgelegt werden. Die Zahl der Genehmigungen ist pro Tag begrenzt, des weiteren muß ein Zeitfenster eingehalten werden. An einem Parkplatz östlich der Talstation, der Teleferico-Seilbahn auf 2.300 m begann der Aufstieg auf dem Pico del Teide. Zuerst ging es auf einem breiten Weg, der aus feiner Lavaasche besteht, in Richtung Montana Blanca. Vorbei ging es an den Huevos del Teide, die sogenannten Teide Eier. Hierbei handelt es sich um riesige Lavakugeln, die ein Durchmesser von bis zu 5 m haben. Ab 2.700 m Höhe nahe der Montana Blanca, ging es über Serpentinen und über 2 Steilstufen im östlichen Geröllhang steil bergan. Hier ist absolute Trittsicherheit gefragt, da das Lavagestein keinen sicheren Halt bietet und ständig nach der falschen Seite nachgibt. Auf einer Höhe von 3.260 m erreichten wir die Refugio de Altavista, wo eine kurze Rast eingelegt wurde. Bei der gesamten Tour ist es wichtig, ausreichend Essen und Getränke mitzuführen, denn auf der Hütte kann man seine Vorräte nicht auffüllen. Auch der Ausrüstung sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Immerhin handelt es sich um eine Hochtour und man steigt fast auf die Höhe von Österreichs größtem Berg, den Großglockner. Bei ganz ungünstigen Wetterverhältnissen ist sogar ein Eispickel erforderlich. Sich auf die Teleferico-Seilbahn, deren Bergstation sich auf 3.555 m befindet, zu verlassen, ist der größte Irrturm, den man begehen kann. Bei aufkommenden ungünstigen Wetterverhältnissen, wie starker Wind, Schneefall oder Vereisung der Drahtseile stellt diese ihren Betrieb nach einem lauten Signalton bald ein. Deshalb ist es absolut wichtig, die Tour im kompletten Auf- und Abstieg zu planen. Die Temperaturen waren mittlerweile auf den Gefrierpunkt gesunken, der Wind nahm stark zu und es war wärmere Bekleidung gefragt.

Links von der Hütte ging es nun auf groben Lavagestein weiter bergauf. Auf diesem Teil des Aufstiegs hat man das Gefühl, Hochofenschlacke der ganzen Welt ist hier entsorgt worden. Der Aufstieg auf diesem Lavagestein ist bis zur Kreuzung der beiden Aussichtspunkte Mirador de la Fortaleza und Mirador Pico Viejo eine einzige Quälerei. Ab dieser Kreuzung führt ein durch die Nationalparkverwaltung gut begehbarer Steig zur Bergstation der Seilbahn. An der Kontrollstelle angekommen, hieß erst einmal Ausweis und Besteigungsgenehmigung vorzuzeigen, wobei alle Dokumente peinlich genau kontrolliert wurden. Erst dann war der Gipfel für uns frei. Bis dahin waren es noch ca. 150 Höhenmeter. Die schlechte Höhenanpassung, Schneeschauer und Schwefeldampf, der vom Krater herunterwehte, machten die letzten Meter nicht gerade zu einem Spaziergang. Leider ließ das schlechte Wetter keine Weitsicht zu. Und somit verblieben wir nicht lange am Gipfel und begannen mit dem langen Abstieg in die Caldera.

Als nächstes stand eine Wanderung von Vilaflor nach Taucho an, die durch ein sehr wenig begangenes Wandergebiet führte, vorbei an steilen Felsen und wunderbaren Dörfern, die ihre Ursprünglichkeit behalten haben. Auf riesigen Terrassenfeldern werden hier die unterschiedlichsten Gemüsesorten angebaut. Große Wasserspeicher sorgen für die Bewässerung.

Als letztes großes Ziel stand für uns die Masca-Schlucht auf dem Programm. Wir wollten sie jedoch nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben durchsteigen. Dabei sind ca. 600 Höhenmeter zu überwinden, die nur bei absolut sicherem Wetter durchgeführt werden sollten, denn bei starkem Regen kann sie leider zur tödlichen Falle werden. Um in den Einstieg zu gelangen, fuhren wir mit einem Schiff von Los Gigantes aus erst einmal auf die offene See, um Delphine, Meeresschildkröten und Pilotwale zu beobachten. In der Bucht der Masca-Schlucht angekommen, ging es mit einem kühnen Sprung vom Boot auf eine schmale Kaimauer. Der Weg durch die Masca-Schlucht verläuft im Schluchtgrund und schlängelt sich hinter großen Felsblöcken vorbei durch die vielen Engstellen. Stellenweise hat man das Gefühl, sich in einem riesigen Labyrinth zu befinden. Immer wieder legten wir eine Fotopause ein, um die reichhaltigen Pflanzen- und Tierwelt in Ruhe zu betrachten oder zu fotografieren. Nach ca. 4 Stunden öffnete sich die Schlucht langsam und nach einer weiteren Stunde erreichten wir das Dorf Masca. Hier bestand noch die Möglichkeit, einige Mitbringsel wie Ziegenkäse und Honig für die Daheimgebliebenen einzukaufen. Über enge Serpentinen ging es zurück nach El Medino, um die Rückreise nach Deutschland vorzubereiten.

Dietmar Kuhl

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Für Interessenten steht Dietmar Kuhl auch gern für einen Vortrag über seine Abenteuer in Ecuador, Nepal oder Marakesch zur Verfügung. Einfach eine Email an den Felsenbezwinger.

Wann: 15.12.2008


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