Geschichten von Damals

Damals war's
Lesen Sie interessante Geschichten und spannende Sagen, wie sie über Strausberg erzählt wurden. Herausgekramt und nacherzählt aus den Archiven des Heimatmuseums Strausberg.

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Die Strausberger Rennbahn


Wir schreiben das Jahr 1899. Herr A. Siebert, Redakteur der `Sportwelt`, besucht in der Villenkolonie von Strausberg-Vorstadt den Sekretär des Vereins für Hindernisrennen, Herrn E. Köhler. Bei einem gemeinsamen Spaziergang kommen sie an einer großen Wiese, im Volksmund `Quast`, vorbei. Herr Köhler ist von dem Areal so begeistert, dass er vorschlägt, hier Pferde-Rennen zu veranstalten. Was als fixe Idee begann, wurde in kürzester Zeit in die Tat umgesetzt. Strausberg-Vorstadt hatte eine Attraktion - die Rennbahn an der Landhausstraße.

Noch benötigtes Land der anliegenden Wiese gaben die Eigentümer für diesen Zweck kostenlos ab und ein bestelltes Kartoffelfeld räumte man auf die Schnelle. Und so konnte das erste Rennen am 10. September 1899 stattfinden. Vieles wurde anfangs improvisiert. Eine Tribüne gab es nicht, dafür stand eine Dezimalwaage zum Wiegen der Sportler bereit. Als Ankleideräume mussten geborgte Kavalleriezelte herhalten. Erfreulicher Weise setzte die Eisenbahn einen Sonderzug ein. Das begeisterte Publikum bekam ein Pony- und Bauern-Rennen sowie zwei Flach- und zwei Jagdrennen für Vollblutpferde zu sehen. Der Eintritt betrug 2 Mark für einen Sattelplatz und der Stehplatz kostete 0,50 Mark.

Im darauffolgenden Jahr gründete sich der Rennverein und veranstaltete am 9. September 1900 seinen ersten Renntag. Der Ausbau der Bahn schritt langsam voran. Die kleine Tribüne wurde 1902 um eine Restaurationshalle erweitert. Vier Jahre später existierten bereits eine große Tribüne sowie eine Sattel-, Wagenhalle und kleine massive Gebäude. Neben einem soliden Stallgebäude erhielt die Rennbahn 1912 eine große kompakte Tribüne aus Eisen und Stein. Als die Bautätigkeit 1921 endete, waren die Stadtverordneten mit dem Verkauf von städtischem Gelände einverstanden, um die Rennbahn in östlicher Richtung noch einmal zu erweitern.

Fanden im Jahre 1900 auf der Strausberger Rennbahn an drei Tagen 13 Rennen statt, waren es 1910 an 21 Tagen bereits 127 Rennen und 1930 an 20 Tagen schon 143 Rennen. In Berlin und Umgebung gab es in den 20er Jahren sechs Rennbahnen - für Trabrennen: Mariendorf und Ruhlsleben, für Galopp-Rennen: Hoppegarten, Grunewald, Karlshorst und Strausberg. Die beliebte Strausberger `Waldbahn` schaffte es, dreißig Jahre eine Attraktion für die Stadt zu sein, trotz der Berliner und Hoppegartener Konkurrenz.

Schleichend kam das Ende dieser populären Institution. Immer öfter herrschte an den Renntagen schlechtes Wetter, es drohten Schwierigkeiten vom Union-Klub, der Konkurrenz aus Hoppegarten, und die Aufsichtsbehörde machte es den Betreibern der Rennbahn schwer. Viel Geld wurde in den Ausbau gesteckt, um allen Anforderungen für eine einwandfreie Prüfung der Pferde stand zu halten.

Im 2. Weltkrieg nutzte die Wehrmacht das Gelände und richtete 1939 einen `Heimat-Pferdepark` ein. Zum Kriegsende unterhielt die Firma Etam ein Lager für Damenunterwäsche auf dem Areal und nach 1945 blieb alles ungenutzt. Jugendliche aus Vorstadt verbrachten dort ihre Freizeit bis die Sportschule vom Armeesportklub (ASK) sich einrichtete. Fast alle Gebäude wurden abgerissen. Als letztes wurde 1995 der Zielturm eingeebnet und im Gegenzug neue Gebäude und diverse Sporteinrichtungen, geschaffen.

Ab dem Jahre 2000 entstanden neue gepflegte Sportanlagen von der Leichtathletikanlage über das Racket-Center bis hin zum Kletterwald. Die verschiedenen Einrichtungen sorgen nun für abwechslungsreiche Freizeitangebote und bei Bedarf auch für Übernachtungsmöglichkeiten. Um das leibliche Wohl der Besucher kümmert sich nicht nur die Parkkantine. Die ehemalige Rennbahn mauserte sich zum `Sport- und Erholungspark` und wird von den Bürgern wieder gern für Aktivitäten genutzt.

Quelle: Béringuér, Claus: Zur Geschichte von Strausberg-Vorstadt bis 2002; Jahrbuch 96 LK MOL - Dr. Jochen Malz, SRB (Foto - auszugsweise)
Wir danken Frau Karlson vom Heimatmuseum für die freundliche Unterstützung.
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