Geschichten von Damals

Damals war's
Lesen Sie interessante Geschichten und spannende Sagen, wie sie über Strausberg erzählt wurden. Herausgekramt und nacherzählt aus den Archiven des Heimatmuseums Strausberg.

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Café Kunze - ein Urgestein


Vielleicht erinnerte die Stadt Strausberg den Thüringer Pfefferkuchler und Honigkuchenbäcker Herrmann Kunze ein klein wenig an seine alte Heimat, als er sich Ende des 19 Jh. hier ansiedelte und sein erstes Geschäft, ein Café, an der Großen-/ Ecke Prediger Straße eröffnete.

Bereits 1889 lief sein Laden so gut, dass er eine Erweiterung vornahm und am Landsberger Tor das Café Kunze etablierte. Heute steht dort ein großes Wohnhaus mit Geschäften. Achtzehn Jahre später erwarb er das gegenüberliegende Grundstück in der damaligen Wilhelmstraße 119 und weihte sein neues Café Kunze ein. Es behielt bis heute seinen Standort. Nur die Straßenbezeichnung (August-Bebel-Straße) änderte sich.

Sein Sohn Max trat 1920 in die Fußstapfen des Vaters und führte das Geschäft in den Goldenen Zwanziger Jahren weiter, der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs der weltweiten Konjunktur. In Strausberg lebten um 1626 / 27 nicht nur 9236 Einwohner, wie in einem alten Adressbuch festgehalten, sondern auch viele Berliner besuchten die `Perle der Mark` und kehrten gerne bei `Kunze` ein.

Zum Weihnachtsfest des Jahres 1925 warb der Café-Besitzer u.a. in der Strausberger Zeitung mit einer Anzeige für Schokoladen, Nürnberger Makronen, Baumbehang, Nüssen, Marzipankartoffeln aus täglich frischer, eigener Herstellung, reizenden Geschenkartikeln, Pralinen und Bonbonieren.

Ein Jahr später pries er eine reichhaltige Auswahl an Kuchen, Torten, dem Ausschank von Bier, Likör, Wein, eine angenehme Gastronomie auch im schattigen Garten, unmittelbar am See gelegen, an. Und zu Silvester 1932 waren u.a. Pfann- und Spritzkuchen für 0,60 Pfennig das Stück im Angebot.

Nach dem 2. Weltkrieg richteten sich in den Räumlichkeiten die Meldestelle und später die Stadtbibliothek ein, ehe der Kaffeebetrieb 1953 unter der Regie von Herrn Engelhardt weiter ging, der das Geschäft mietete. Ab den sechziger Jahren betrieb die HO (Handelsorganisation - staatliches Einzelhandelsunternehmen in der DDR) unter dem Namen `Cafe am See` die Gaststätte. Geleitet wurde das Haus anfangs von der Familie Hägler und ab 1986 übernahmen Hans und Marlies Blaß das Zepter. Im Volksmund hieß das Lokal aber weiterhin Café Kunze. Erst 1990, wieder privatisiert, erhielt es seinen alten Namen in Absprache mit der Tochter von Max Kunze offiziell zurück.

Als im Jahre 2007 das historische Café sein 100-jähriges Jubiläum feierte, war der neue Chef bereits seit sieben Jahren der Sohn Sven Blaß. Obwohl die Gäste zu jeder Jahreszeit immer noch von den selbst gebackenen schmackhaften Kuchen, delikaten Gebäcken und den köstlichen Torten schwärmen, ist die wieder eröffnete Terrasse mit Blick auf den See und die Strausberger Fähre im Sommer ein echter Geheimtipp.

Fotoquelle: Familie Blaß
Fotoerklärung: Café Kunze im Jahre 1907

Ein großes Dankeschön an Frau Karlssohn vom Heimatmuseum für ihre Unterstützung.
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