Geschichten von Damals

Damals war's
Lesen Sie interessante Geschichten und spannende Sagen, wie sie über Strausberg erzählt wurden. Herausgekramt und nacherzählt aus den Archiven des Heimatmuseums Strausberg.

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Wer war Angelus?


Andreas Engel, genannt Angelus, erblickte am 16. November 1561 in Strausberg als Sohn von Gregorius Engel das Licht der Welt. Sein Großvater war der Ratsherr Martin Engel, einer der wohlhabenden Bürger der Stadt.

Da er schon sehr früh ein guter Schüler war, schickte man ihn im zarten Alter von 12 Jahren an die Viadrina nach Frankfurt (Oder). Dort wurde Angelus im ersten Sommersemester des Jahres 1573 immatrikuliert, jedoch ohne akademischen Eid, denn er war noch nicht mündig. Er fand zuerst Aufnahme in der Artistenfakultät, um sich erforderliche Grundkenntnisse anzueignen. Jeder angehende Jurist, Mediziner oder Theologe war verpflichtet, dieses philosophische Studium zu absolvieren. Dabei handelte es sich um die sieben freien Künste: Grammatik, Logik, Rhetorik, Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie. Relevant für die Wahl der Universität war vermutlich Kurfürst Johann Georg erlassene Verfügung, nach der ein öffentliches Amt, egal ob richterlich, geistlich oder schulisch, in Brandenburg nur an Absolventen dieser Universität vergeben werden durfte.

Seine Studienzeit zog sich in die Länge. Bewerkstelligen konnte er das alles, weil seine ganze Familie, seine Eltern, zwei Schwestern und drei Brüder, 1575 in Strausberg an der Pest verstarben, und er über das gesamte Vermögen alleine verfügte. Im gleichen Jahr fielen in der Stadt mehr als 600 Bürger der Epidemie zum Opfer. Daraufhin verließ er die Mark Brandenburg und ging 1577 als Schüler auf das Marienstift-Gymnasium in Stettin.

Erst 1582 kehrte er in seine Vaterstadt zurück und trat als zweiter Lehrer in den Schuldienst ein. Bereits zwei Jahre später war Angelus Rektor der Zwei-Klassen-Schule. Im Jahre 1586 arbeitete er für eineinhalb Jahre als stellvertretender Leiter in Brandenburg. In den Jahren 1588 bis 1590 ging er auf Reisen und betrieb literarische Studien in den gut gefüllten Bibliotheken und Archiven der Städte Segeberg, Schwabstedt und Garding auf der Halbinsel Eiderstedt/Holstein. Hier verfasste er die später herausgegebene Holsteinische Chronik. Auf der Heimreise aus den nordwestlichen Ländern durchquerte er märkische Orte wie Havelberg, Pritzwalk und Nauen, von denen er damals ungedruckte Geschichtsquellen mitnahm.

Wieder in Strausberg, wollte er sich der Geschichte seines Geburtsortes widmen. Vorübergehend arbeitete Angelius von 1591 bis März 1592 als Lehrer am Grauen Kloster in Berlin, bis der Strausberger Inspektor, der angebliche Grund seines Wegganges, verstarb, und er vom Rat der Stadt als dessen Nachfolger gewählt wurde. Somit hatte er die Aufsicht über 12 Prediger der Region, über die Strausberger Geistlichen und Schulmänner (Pädagogen, die sich nicht nur als Lehrer betätigten, sondern auch mit den politischen, rechtlichen und verwaltungstechnischen Grundlagen des Schulwesens beschäftigten). Für 350 Gulden kaufte er ein Haus in der Großen Straße und heiratete im selben Jahr Sabina, die älteste Tochter des Propstes Colerus der Nikolaikirche zu Berlin.

Es war die Zeit, in der er seine drei geplanten Werke zur Geschichte der Mark Brandenburg verfasste. Sie hatten zwar lateinische Titel, waren aber komplett in deutscher Sprache abgefasst. Für die damalige Zeit war so etwas wie eine kleine Revolution. Sein Hauptwerk war eine umfassende Geschichte der Mark Brandenburg unter dem Arbeitstitel Marchia. Daraus entstand das um 1593 erschienene Rerum Marchicarum Breviarum, und zwei Jahre später eine erweiterte Fassung unter dem Titel Annales Marchiae Brandenburgicae. Angelus zitierte in seinem Werk ca. 200 gedruckte und etwa 20 damals nur handschriftlich vorhandene Werke. Ungeklärt ist ein angeblich vorhandenes ausführlicheres handschriftliches drittes Werk von Angelus, seine Annales, die Marchia Authoris. Böse Zungen behaupten, seine Witwe soll es nach seinem Tode verbrannt haben, weil sie die geforderten 2000 Taler, Kosten für die Recherchen, von keinem Verleger ersetzt bekam.

In Strausberg war Angelus nicht nur schriftstellerisch tätig, er kümmerte sich sehr stark um die Belange der Kirche St. Marien. Auf seine Veranlassung hin erhielt das Gotteshaus eine neue Orgel und Kanzel. Zu den Streng-Lutheranern gehörend, Menschen die nicht vom Glauben der Christen abweichen, zog er im Jahr 1598 in Frankfurt (Oder) gegen die reformierte Lehre Calvins mit seinen geistlichen Schriften `Calvinischer Bettlers Mantel` zu Felde.

Angelus, Magister und Pfarrer, einer der ersten Geschichtsschreiber der Mark Brandenburg, verstarb fast als Letzter am 9. August 1598 in Strausberg an der Pest. In jenem Sommer raffte der `Schwarze Tod` 825 Strausberger (mehr als ein Drittel der Bevölkerung) dahin. Nach ihm wurden noch 20 Menschen zu Grabe getragen. Wie alle Inspektoren der damaligen Zeit, wurde auch Angelus im Chorraum beerdigt. Sein Gedenkstein steht noch heute dort: In der Altstadt-Kirche St. Marien, rechts hinter dem Altar, angelehnt an der Ostwand.

Quelle: Wikipedia und Stadtwiki-SRB
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