Geschichten von Damals

Damals war's
Lesen Sie interessante Geschichten und spannende Sagen, wie sie über Strausberg erzählt wurden. Herausgekramt und nacherzählt aus den Archiven des Heimatmuseums Strausberg.

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Die Straussee-Fähre - einzigartig in Europa


Strausbergs Innenstadt liegt am Ostufer des 4 km langen Sees. Stets stellte er ein kleines Hindernis dar, um das gegenüberliegende Ufer zu erreichen. Viele Berliner Ausflügler, ab 1893 kamen sie immer häufiger nach Strausberg, riefen einen der zahlreichen Fischer, wenn sie auf die andere Seeseite wollten. Gegen ein Entgelt ruderten Einheimische gerne Gäste über den See.

Vielleicht kam dadurch dem Berliner Schiffbauer Brüning die Idee, jenseits des Sees neben einer Schiffs- und Bootsbauerei, eine Badeanstalt zu errichten. Damit die Besucher diese auch problemlos erreichen, wollte er eine Drahtseilfähre über den See schippern lassen. Die Stadtverordneten waren begeistert und genehmigten die Pacht für 25 Jahre. Doch Herr Brüning gab sein Projekt wieder auf.

Danach beantragte der Kaufmann Daniel Gepke die Errichtung einer Fähre. Er wollte am Gegenüberliegenden Ufer neben einer Badeanstalt auch ein Restaurant mit Kegelbahn bauen. Die Stadtväter stimmten sofort zu.

Im Jahre 1894 war es soweit. Die erste Seilfähre ging mittels Handrad, einer raffinierten Seilkonstruktion („englische Drehrolle“) in Betrieb. Sie konnte ca. 100 Personen übersetzen, mußte aber über den See gezogen werden. Da der Ausflugsverkehr weiter zunahm, erfolgte ein Jahr später die Überfahrt mit einer rund 200 Personen fassenden Fähre, die durch einen Petroleummotor angetrieben wurde. Leider gab er zu oft seinen Geist auf, meist mitten auf dem Wasser. Alternativ blieb nur noch eine elektrisch betriebene Überfahrt mit einem geräuschlosen Antrieb.

Als Gepke Ende des Jahres 1904 verstarb, kaufte die Stadt die Fähre für 3000 Mark von der Witwe und übernahm auch den langjährigen Fährmann `Kapitän Buchholz`. Die Stadtoberen tüfftelten weiter an ihrem Plan, die Fähre zu elektrifizieren. Das Hauptproblem dabei war die freie Aufhängung einer 370 Meter langen Oberleitung zur sicheren Stromversorgung. Etliche Versuche mit unterschiedlichen Oberleitungsdrähten und einem starken Elektromotor, der auf dem Boot installiert wurde, führten schließlich zum Erfolg.

Und 1915 ging die erste „stille“ Fähre in Betrieb. Sie funktionierte wie eine Straßenbahn
mit Stromabnehmer. Die Elektrizität lieferte die zwischen zwei Masten an den Ufern gespannte Oberleitung. Die Fähre selbst wurde damals wie heute, mittels zweier Stahlseile geführt, die sich im Wasser befinden. Eines dient als Antriebs- das andere als Führungsseil.

Bei den nachfolgenden Fähren hat sich daran nichts geändert. Das gegenwärtige Fährschiff wurde 1967 auf der Werft „Franz Loberenz“ in Marienwerder gebaut. Es kann 100 Personen aufnehmen und die Überfahrt beträgt für die 350 m lange Strecke ca. sieben Minuten. Nach jahrelanger Verpachtung führt die Strausberger Eisenbahn GmbH den Fährbetrieb seit 2005 wieder in eigener Regie durch.

Eine elektrisch angetriebene Personenseil-Fähre in dieser Ausführung ist einzigartig in Europa. Ein Grund mehr, die Strausberger Fähre 1995 mit in die Denkmal-Liste aufzunehmen.

Quellen: 100 Jahre Strausberger Eisenbahn (1993) und Stadtführer Strausberg (1994/95)
Unser Dank gilt Frau Karlson vom Heimatmuseum Strausberg.
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