Geschichten von Damals

Damals war's
Lesen Sie interessante Geschichten und spannende Sagen, wie sie über Strausberg erzählt wurden. Herausgekramt und nacherzählt aus den Archiven des Heimatmuseums Strausberg.

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Die ersten Juden in Strausberg


Angehörige des jüdischen Volkes und der Religion tragen die Bezeichnung Juden. Das Volk der Juden ist nicht nur ein ethnisch einheitliches Nationalvolk mit geschlossenem Siedlungsraum, einer gemeinsamen Geschichte, Sprache und Kultur, sondern eines, das mit dem Untergang des Reiches Juda 586 v. Chr. zerfiel. Ein Teil der Bevölkerung siedelte nach Ägypten um, aber die meisten gingen nach Babylon ins Exil.

Obwohl in Strausberg Juden ab dem Mittelalter lebten, fanden sie urkundliche Erwähnung nur in den Jahren 1346 und 1421. Erst Ende des 17. Jahrhunderts gibt es weitere Aufzeichnungen. Jeder Jude, der sich in Brandenburg niederließ, war verpflichtet, sich einen vom Kurfürsten unterschriebenen Schutzbrief zu besorgen. Darin waren alle Rechte und Pflichten sowie die Verbote festgelegt. Hielten die Menschen dieses Schriftstück in ihren Händen, besaßen sie das Privileg, sich häuslich niederzulassen und hatten die Möglichkeit, einen Beruf auszuüben. Natürlich gab es das Schutzpatent nicht zum Nulltarif. Sie mussten dafür Abgaben (in der Regel 8 Taler jährlich) leisten.

Einige Händler verdienten ihr Geld im 17. und 18. Jahrhundert während des Krieges in Deutschland, ja sogar in ganz Europa, als Heereslieferant oder Hofjude, in dem sie die Soldaten mit Lebensmitteln und Kriegsmaterial bis hin zur Kampflinie versorgten. Die jüdischen Lieferanten lebten gefährlich. Oft wurden sie mit ihren zweirädrigen Karren, nur von einem Pferd gezogen und ohne Begleitung, überfallen, beraubt und sogar getötet. Reich wurden sie dabei auf keinen Fall. Die Allgemeinheit stand den Juden damals ablehnend und feindselig gegenüber. Sie warfen ihnen vor, `verschlagene Kriegslieferanten` zu sein.

Nicht selten zogen jüdische Familien nach kurzer Zeit aus den ihnen zugewiesenen Städten wieder fort, selbst wenn sie schon einige Jahre in ihnen lebten. Der Konkurrenzkampf auch untereinander war einfach zu hart. Z. B. hat sich der Strausberger Bürger und Kürschner Hans Lindow im Jahre 1864 schriftlich darüber beschwert, dass die Juden aus Biesenthal heimlich und öffentlich alle Felle aufkauften. Im Mai 1688 forderte der Kurfürst von den Städten Berichte über die Juden an. Von Strausberg wurde keine Stellungnahme verlangt.

Im Herbst 1693 beklagt sich Herr Schröder, ein Beamter des Fiskus, über mehrere Biesenthaler Juden, die in Strausberg mit Schaffellen und Wolle handelten. Sie hätten allein in Strausberg für 1000 Taler Wolle an die rund 100 Tuchmacher geliefert. Für die Juden wurde die Stadt ein begehrter Handelsplatz und umgekehrt wurden sie für die Strausberger ein nützlicher Partner.

Im Sommer 1692 versuchte der Jude Hirsch Löhser aus Buckow in Strausberg sesshaft zu werden. Bürgermeister und Ratsherren setzten sich für ihn ein. Sie wollten ihm eine wüste Stelle zur Urbarmachung überlassen und ihn in die Gemeinschaft aufnehmen. Der Kurfürst lehnte das Gesuch, einen Schutzbrief auszustellen, jedoch ab. Bis 1708 lebte kein Jude in Strausberg. Erst Jacob Löbel schaffte es. Er ist der erste nachweisbare Schutzjude, der mit Fellen und Wolle handelte. Zur Familie gehörten 3 Söhne und 3 Töchter, die nur wenige Jahre in der Stadt lebten ehe sie nach Biesenthal zogen. Eine Enkelin Löbels heiratete später den Strausberger Simon Jeremias, der ebenfalls Wolle an die Tuchmacher verkaufte. Die jüdische Ansiedlung umfasste im Jahre 1723 gerade einmal 30 Leute, die Großfamilie Jeremias. Zu ihr gehörten seine vier Brüder mit ihren Frauen, Kindern und Bedientesten sowie Caspar Jochen, der den Wollhandel groß aufziehen wollte, aber 1740 kläglich daran scheiterte.

Quelle: Akanthus 13/2003 von Jürgen Räbiger
Wir danken Frau Karlsohn vom Heimatmuseum für die großartige Unterstützung.
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