Geschichten von Damals

Damals war's
Lesen Sie interessante Geschichten und spannende Sagen, wie sie über Strausberg erzählt wurden. Herausgekramt und nacherzählt aus den Archiven des Heimatmuseums Strausberg.

alle Geschichten
Von ersten Flugversuchen bis zum Weltrekord


Inge Wetzel, 1915 in Mecklenburg geboren, kam durch ihren Vater nach Strausberg. Er fand hier sein berufliches Einkommen und die Familie zog nach. In der Schule interessierte sie sich hauptsächlich für Sport, Biologie und Mathematik. Das Fliegen zu erlernen, war nicht nur ein Traum, es war schon immer ihr größter Wunsch. Voller Begeisterung registrierte sie 1931/32 die Langstreckenflüge von Elly Beinhorn und später Hanna Reitschs Frauen-Weltrekorde im Segelflug.

In der damaligen Zeit passten Frauen und Segelflug nicht zusammen. Die Ortsgruppe `Fliegernest` des Deutschen Luftfahrverbandes ließ nur die männliche Jugend an den Start. Als sie dann im Sommer 1933 in der Strausberger Zeitung las, dass im Rahmen der Reichswerbewoche des Deutschen Luftfahrverbandes in Strausberg eine Frauen-Segelfluggruppe gegründet werden sollte, sah sie ihre Chance. Kurzerhand gab Inge Wetzel ihre Bewerbung ab und wurde angenommen.

Gleich zum Anfang kamen organisatorische Hindernisse auf. Es klappte nicht sofort mit dem Bau eines eigenen Segelflugzeuges für das `Fliegernest` und ein weiterer Haken war der Standort des Fluggeländes. Daraufhin nahm die weibliche Segelfliegergruppe Kontakt zur Segelflugsektion der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin auf. Das dortige Fluggelände befand sich in den Gatower Bergen. Endlich begann für die Strausbergerinnen die Praxis.

Der weite Anfahrtsweg und die begrenzte Ausbildungskapazität war keine Dauerlösung. Umso mehr waren alle Teilnehmerinnen erfreut, als im Frühsommer 1934 die ersten Segelfluglehrgänge mit den in der Werkstatt des `Fliegernestes` selbst gebauten Flugzeugen losgingen. Unter Anleitung von Hans Blumberg erlernten die Frauen im Schulgleiter `Roter Adler` das Alphabet des Hanggleitfluges. Für alle war das ziemlich hart. Nicht nur hohe Anforderungen an die fliegerischen Leistungen waren zu ertragen, sondern auch körperliche Anstrengungen.

Um die A-Prüfung zu erreichen, mussten die angehenden Piloten mindestens 30 Sekunden fliegen. Der Aufwind am Schlächterberg reichte aber nur für 20 Sekunden. Ein neues Gelände fand die Gruppe an den Oderhängen in Alt-Glietzen, nahe Bad Freienwalde. Schließlich war es so weit, Inge Wetzel bestand am 24. Juli 1934 mit einem 41-Sekunden-Flug ihre A-Prüfung und am nächsten Tag unternahm sie den endgültigen Bestätigungsflug.

Obwohl sie 1935 in Königsberg ein Studium aufnahm und drei Jahre danach ihr Staatsexamen ablegte, blieb sie der Fliegerei treu. Als Mitglied der Segelflugabteilung des Hochschulinstitutes für Leibesübungen heiratete sie später den Leiter Reinhold König. Noch in der Studienzeit legte sie die B- und C-Prüfung im Segelflug ab.

Berühmt wurde Inge König, geb. Wetzel, in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1937, als sie bei Palmnicken (Ostpreußen) mit einem Segelflugzeug vom Typ Grunau Baby zu einem 18 Stunden und 30 Minuten langen Flug startete. Das war Weltbestleistung für Frauen im Dauerflug.

Quelle: Akanthus 13/2003 von Rolf Apel und Helmut Bukowski
Bildquelle: Flugplatz Strausberg

Wir danken Frau Karlsohn vom Heimatmuseum für die großartige Unterstützung.
WERBUNG

Als Startseite einrichten   •   Partner   •   Impressum   •  Datenschutz   •   Links   •   Briefkasten + Veranstaltung melden
^