Geschichten von Damals

Damals war's
Lesen Sie interessante Geschichten und spannende Sagen, wie sie über Strausberg erzählt wurden. Herausgekramt und nacherzählt aus den Archiven des Heimatmuseums Strausberg.

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Strausbergs erster Motorflieger


Das Jahr 1878 war gerade mal 7 Tage alt, als Felix Schulz, als zweiter Sohn eines Textilfärbereibesitzers im Fischerkietz, das Licht der Welt erblickte. Dort wuchs er auf. Zu dieser Zeit gab es noch keine Flugzeuge, sie waren schlichtweg unbekannt. Dafür unternahmen Luftschiffe ihre ersten Flugversuche. Auf ihrer Fahrt konnten die aufmerksamen Strausberger u.a. das lenkbare Luftschiff von Hermann Wölfert oder das Starrluftschiff von David Schwarz sehen, die von Berlin aus starteten, und ab und zu über die Stadt flogen.

Mit 13 Jahren (1891) erfuhr Felix Schulz, dass Otto Lilienthal in Berlin-Steglitz erste Flugversuche unternahm und einen phänomenalen 250 m Gleitflug absolvierte. Leider verliefen diese Unternehmungen nicht immer so erfolgreich. Bei einem Flug in der Nähe von Rathenow verunglückte der Flug-Pionier 1898 tödlich. Ein Jahr später ging Wölferts Luftschiff über dem Tempelhofer Feld in Flammen auf und der Erfinder starb darin. Trotzdem war Schulz von der Tollkühnheit und dem Heldentum der Männer stark beeindruckt.

Nach dem Abitur bewarb er sich 1897 bei der Kaiserlichen Marine und schlug die Laufbahn als Offiziersanwärter und später als Fähnrich zur See ein. In seiner 15-jährigen Verpflichtungszeit schaffte er es bis zum Oberleutnant zur See. Für die damalige Zeit war das in Strausberg eine nicht alltägliche Karriere. Schulz, immer nett und fröhlich, als abenteuerlich geltend, stieg zu einer stadtbekannten und gern gesehenen Persönlichkeit auf.

Inzwischen hatte sich die noch in den Kinderschuhen steckende Fliegerei seit der Jahrhundertwende stark entwickelt. Unser Held beendete 1912 seine Dienstzeit in der Marine und bewarb sich in Berlin-Johannisthal, dem Zentrum des deutschen Motorfluges, als Aviatiker, die frühere Bezeichnung für Flieger. Es liest sich leichter, als es war. Denn im Winter 1912 / 13 gab es bereits 345 Flugzeugführer in Deutschland. In den Flugzeugwerken waren aber nur Arbeitsplätze für ca. 60 Einflieger oder Fluglehrer vorhanden.

Schulz hatte Glück und erlernte das Fliegen in der Flugschule Fokker der Firma `A.H.G. Fokker Aeroplanbau` auf dem Schulflugzeug `Spinne`. Erfolgreich bewältigte er das Ausbildungsprogramm und bestand am 8. März 1913 die Prüfung. Am selbigen Tag wurde ihm die Flugzeugführererlaubnis Nr. 367 des Deutschen Luftfahrerverbandes ausgehändigt. Wenige Monate später stellte ihn die `Max Court, Fabrik und Fliegerschule` als Pilot ein.

Am 26. September 1913 wollte die Firma einen Teststart mit dem neu konstruierten und gebauten `Court-Torpedo-Eindecker` vom Flugplatz Berlin-Johannisthal unternehmen. Andere Piloten lehnten dankend ab, nur Schulz war wagemutig und flog. Es sollte die letzte Aktion des 35-jährigen werden. Am selbigen Abend verunglückte Schulz vor großer Zuschauerkulisse tödlich. Auf dem evangelischen Friedhof in Strausberg fand der Pilot im Familiengrab seine letzte Ruhestätte. Bei der Beisetzung nahmen viele Trauergäste Abschied. Sein jähes Ende löste nicht nur in der Stadt tiefe Betroffenheit aus. Als Erster Motorflieger Strausbergs wurde er hauptsächlich zum Idol der Jugend.

Quelle: Akanthus 13/2003 von Rolf Apel und Helmut Bukowski
Bildquelle: Flugplatz Strausberg

Wir danken Frau Karlsohn vom Heimatmuseum für die großartige Unterstützung.
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