Geschichten von Damals

Damals war's
Lesen Sie interessante Geschichten und spannende Sagen, wie sie über Strausberg erzählt wurden. Herausgekramt und nacherzählt aus den Archiven des Heimatmuseums Strausberg.

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Die Knopffabrik Münch


Der Drechslermeister Oswald Münch gründete am 10. Oktober 1883 in Berlin eine Knopffabrik und führte sie dort bis 1900. Im Folgejahr zog er mit seiner Fabrik nach Strausberg. Jahrzehntelang galt sie in der Stadt als einziger wichtiger Industriebetrieb.

Die Herstellung von Perlmutt-Knöpfen und Schnallen lief so gut, dass 1912 ein neues Fabrikgebäude errichtet wurde. Nicht nur innerhalb Europas, sondern auch in Asien, Amerika und sogar in Australien waren die kleinen Ziergegenstände stark gefragt. Während des ersten Weltkrieges erfolgte die Produktion ohne Perlmutter, es wurde auf andere Rohstoffe zurückgegriffen.

Im darauffolgenden Jahr übernahm Arthur Münch die `Knoppbude`, wie sie im Volksmund hieß. Als die Firma 1933 ihr 50-jähriges Bestehen feierte, beschäftigte sie bereits 200 Arbeiter. Noch 1936 arbeiteten 12 Prozent der in Strausberger Industriebetrieben tätigen Personen dort.

Mit Kriegsbeginn, 1939, hatte der Betrieb Glück und wurde nicht geschlossen. Er exportierte wertvolle Knöpfe - dafür konnten kriegswichtige Rohstoffe eingeführt werden. Mitte des Jahres 1944 kam es dann zur Stilllegung. Die Arbeiter mußten in der Munitionsproduktion des ortsansässigen Walzwerkes mitarbeiten. Zum Glück wurde die Firma nicht demontiert und konnte im Sommer 1945 die Knopfproduktion wieder aufnehmen. Die Erzeugnisse wurden nun in die Sowjetunion geliefert.

Als Helmut Münch in den 50-er Jahren den halbstaatlichen Betrieb leitete, wurde mit Spritzgußmaschinen produziert, und das Ergebnis waren Knöpfe aus Plaste. Restlos verstaatlicht wurde die Firma dann 1972. Entgegen einer früheren Zusicherung, durfte der Eigentümer nur noch ein Jahr als Betriebsleiter fungieren. Diese Entwicklung machte ihm gesundheitlich sehr zu schaffen. Die Familie erklärte sich 1980 bereit, ihr Eigentum an Grund und Boden sowie Haus und Fabrik dem Staat zu überlassen und durfte ausreisen.

Im Jahr 1990 bekamen die Münchs die Villa und Fabrik zurück. Da die Knopfmaschinen bereits fünf Jahre zuvor ausgebaut und verschrottet wurden, ließ Frank Oswald Münch von nun an verschiedene Kunststoff- und Spritzgußteile herstellen. Die Produkte reichten von Möbelgriffen bis zu Kugellager-Ummantelungen. Der Firmenchef in vierter Generation beschäftigte 2004 gerade noch eine Handvoll Leute, weil mit Einführung der D-Mark ostdeutsche und sowjetische Abnehmer die Produkte nicht mehr bezahlen konnten.

Die Knopffabrik Münch zählte zum ältesten betrieblichen Industrieunternehmen in Strausberg. Sie hatte über 100 Jahre Bestand. In den besten Zeiten der Firma waren bis zu 300 Mitarbeiter angestellt. Eine Ausstellung im Strausberger Heimatmuseum gibt heute noch Einblicke in die wechselvolle Firmengeschichte - einfach mal vorbeischauen.

Unser Dank gilt Frau Karlson vom Heimatmuseum.
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